Liebe Kafi. Wir eiern (wortwörtlich) seit geraumer Zeit am Thema rum, was wir nun sollen. Mein Mann hat zwei Jungs aus erster Ehe, wir zusammen zwei Jungs 6 und 4.. Aus unerklärlichem Grund habe ich den Wunsch, ein weiteres Kind zu haben. Das obwohl ich meine Kompetenzen als Mutter als beschränkt ansehe (ich bin sehr streng mit mir) und mir das Familienleben so gut gefällt. Das Hirn fährt 600 Gründe auf warum nicht und der Rest sagt JA! Könntest du mir eine Hilfe bieten mit einer Art, sich zu entscheiden? Ich kenne das nicht von mir. Ich war immer klar, habe immer sofort die Konsequenzen aus meinen Entscheidungen getroffen und jetzt hinke ich immer im Kreis herum, was mich ehrlich gesagt, ziemlich nervt. Mein Mann ist wie ich, ambivalent und ist darum in keiner Variante limitierend. Katja, 35

23. Mai 2013 Hinterlasse einen Kommentar

Liebe Katja

Es gibt viele Strategien, mit denen man eine Entscheidung leichter treffen kann. Sie kennen sicher die Pro/Kontra Liste, bei der man Vorteile und Nachteile sammelt und dann Bilanz zieht. Aber ein Kinderwunsch gehorcht keiner mathematischen Logik (sonst wären wir vermutlich längst ausgestorben) und Sie können Ihre vielen Gründe, die dagegen sprechen, noch lange herumjonglieren, es wird Sie vermutlich nicht weiter bringen.

Während Sie auf lächerliche 600 Argumente kommen, die gegen ein Kind sprechen, könnte ich Ihnen noch etwa 10’000 weitere aufzählen. Kinder kosten eine Unmenge Nerven, Zeit, Geduld und Geld (aber vermutlich sind all diese Punkte ja auch bereits auf Ihrer Liste). Und dennoch sind sie das Beste, was man sich aufhalsen kann. Kinder erweitern uns Erwachsenen den Horizont, wie es keine Droge vermag und sie geben dem Dasein unendlich viel Sinn. Es gibt keine verantwortungsvollere Aufgabe, als ein Kind in die Selbständigkeit zu begleiten und ihm Werte fürs Leben mitzugeben. Und verdammt lustig sind sie auch. Aber das wissen Sie alles bereits, schliesslich ziehen Sie ja bereits 4 Kinder gross und Sie würden sich ja nicht mit dem Gedanken herumschlagen, wenn Sie Kinder nicht auch toll fänden.

Darum gebe ich Ihnen zwei Dinge mit auf den Weg. Eine Entscheidungshilfe, die so gar keiner Rationalität folgt und dennoch, oder gerade darum, vielleicht nützlich sein könnte für Ihre Frage. Und einen Gedanken, der mir zusätzlich gekommen ist, als ich Ihre Email las.

Aber zuerst zur Technik: Setzen Sie sich einmal in Ruhe hin und legen Sie Ihre beiden Hände je auf ein Knie mit der Handfläche nach oben. Formen Sie mit beiden Händen eine Art Schale und bestimmen Sie, welche Schale das Dafür und welche das Dawider verkörpert. Dann “füllen” Sie die Schalen mit den Argumenten. Die eine mit all den Gründen, die für ein Kind sprechen. Die andere mit den 600 Gründen dagegen. Das ist ein gedanklicher Akt und vielleicht fällt es Ihnen leichter, wenn Sie die Motive laut in die jeweilige Hand sprechen. Wenn Sie mit beiden Seiten fertig sind, dann heben Sie beide Hände und achten darauf, welche Ihnen schwerer erscheint. Es ist erstaunlich, wie offensichtlich der Unterschied sein kann, obwohl ja eigentlich beide Hände “leer” sind.

Es kann gut sein, dass diese Übung so klar für ein Kind spricht, dass Sie danach fähig sind, die Entscheidung zu fällen. Aber falls nicht, oder falls die “Dagegen-Hand” schwerer scheinen sollte, so überlegen Sie sich bitte trotzdem noch folgendes:

Sie sind heute 35 Jahre alt. Ihre Fähigkeit, schwanger zu werden, sinkt mit jedem weiteren Jahr beträchtlich. Vielleicht wiegen die 600 Gründe, die gegen ein Kind sprechen, schwer. Noch schwerer wird aber wiegen, wenn Sie diesen diffusen und irrationalen Kinderwunsch in ein paar Jahren noch in sich tragen, aber nicht mehr schwanger werden können. Ich kenne viele Frauen, die es bereuen, kein Kind gezeugt zu haben, als sie es noch konnten. Aber keine einzige, die es nachhaltig bereut, Mutter geworden zu sein.

Ich hoffe sehr, dass ich Ihnen damit etwas auf die Sprünge helfen konnte, liebe Katja. Und falls Sie und Ihr Mann sich wirklich für das Kind entscheiden sollten, und dieses irgendwann im Café neben mir nervt,  dann geben Sie sich zu erkennen, indem Sie mir deutlich sagen, dass ich eigentlich die Schuld an allem trage!

Mit ganz herzlichem Gruss! Ihre Kafi.

Liebe frau Freitag, Soll ich mir nach drei Schwangerschaften, zwei Sektioentbindungen und einer Blinddarm OP die Bauchdecke straffen lassen oder lieber einen neuen Bikini kaufen? Regula, 44

22. Mai 2013 Hinterlasse einen Kommentar

Liebe Regula

Wissen Sie, was mir an Ihrer Fragestellung besonders gut gefällt? Das ‘oder’! Denn die meisten Frauen mit unperfektem Bauch, die ich kenne, würden noch nicht einmal mit dem Gedanken spielen, einen Bikini anzuziehen. Da wird versteckt und kaschiert, oder ganz auf den Besuch eines Freibads verzichtet.

Ich selber hatte ja noch nie einen flachen Bauch. Nicht vor der Geburt meines Kindes und danach selbstverständlich noch viel weniger und darum ist es für mich nachvollziehbar, dass Sie mit dem Gedanken spielen, da etwas machen zu lassen. Ich habe es mir auch schon überlegt, weil ich mit meinem Kugelbauch des öfteren als schwanger taxiert werde und sich das mit meinem obligatorischen Proseccoglas in der Hand so gar nicht gut macht. Aber ich habe es dann sein lassen, weil ich meinen Bauch an sich sehr gerne mag. Er hat meinen Sohn hervorgebracht und dafür bin ich sehr dankbar. Und darüber hinaus ist für mich der Bauch seit je her das Zentrum von Lust und Genuss und diese wollen schliesslich etwas Raum zum Gedeihen haben. Flache Bäuche sind für mich darum kein Schönheitsideal, sondern meistens ein Zeichen von Selbstkasteiung. So konnte ich auch dem ganzen Six-Pack-Gegeifere der Frauen noch nie etwas abgewinnen. Ich mag keine harttrainierten Männer und an Frauen gefällt es mir noch weniger.

Im Gegenteil. Ich bin ja eher fürs Kultivieren von Makeln und darum drücke ich mich auch schon ewig um einen Eingriff, der meine vorwitzige Zahnstellung ins Lot bringen soll. Aber ich kann auch verstehen, wenn man einen von Geburten und Operationen gezeichneten Bauch nicht wirklich als charmanten Makel sehen kann. Und darüber hinaus verändert eine Operation am Bauch nicht die gesamte optische Persönlichkeit, wie es ein Facelift oder das elende Gebotoxe tut.

Darum würde ich an Ihrer Stelle mal schauen, ob’s eine liebevolle Versöhnung mit dem Bauch und der Kauf eines atemberaubenden Badeanzugs auch tut. Und wenn nicht, suchen Sie sich einen vertrauensvollen Schönheitschirurgen und legen sich unter sein gewetztes Messer.

Denn das Leben ist zu kurz, um ewig mit sich zu hadern.

Mit herzlichem Gruss! Ihre Kafi.

Hallo Frau Freitag, hat eine Beziehung, von der man meint es ist die Liebe des Lebens, obwohl sie gerade mal 3 Monate existiert eine Chance zu überleben, wenn einer der beiden wortwörtlich durch die Weltgeschichte tingelt (berufliche Weltreise)? Auf Grund von diversen Weltmeeren ist auch Kontakt nur sehr unregelmäßig möglich. Die räumliche Trennung ist erstmal nur für 6 Monate, dann besteht die Möglichkeit ein paar Wochen miteinander zu verbringen, dann wieder 6 Monate räumliche Trennung und so weiter… Das ganze dann ein, wahrscheinlich eher zwei Jahre… Was meinen Sie? Eva, 23

21. Mai 2013 Hinterlasse einen Kommentar

Liebe Eva

Vermutlich gibt es nichts relativeres, als die Zeit. Und dennoch wissen wir alle, dass sie in der Sehnsucht besonders langsam tickt. Darum sollten Sie versuchen, möglichst viel Druck aus der zarten Geschichte zu nehmen. Sie sind beide noch sehr jung und in zwei Jahren wird manchmal die gesamte Weltgeschichte umgeschrieben. Leben Sie darum beide Ihr Leben weiter und schauen Sie, was in 6 Monaten, respektive in 2 Jahren noch da ist. Wenn es sein soll, werden Ihre Gefühle die Zeit überstehen.

Alles Liebe, ihre Kafi.

Hallo Frau Freitag. Vor ein paar Wochen habe ich mich mit einer Freundin in einem Café getroffen und unsere Kinder (beide +- 2 Jahre alt) waren auch dabei. Während wir Mütter zusammen gekäfelet haben, haben die beiden kleinen zusammen gespielt und das Lokal erforscht. Sie waren dabei etwas lebhaft, das gebe ich zu. Aber es sind ja schliesslich Kinder und die sitzen selten lange still. Es wäre alles wunderbar gewesen, wenn sich nicht eine Frau am Nebentisch lautstark über uns aufgeregt hätte. Sie hat uns zwei Mütter richtig beschimpft und sich darüber aufgeregt, dass sie nicht in Ruhe Zeitung lesen konnte. Ich und meine Freundin sassen sprachlos da uns sind dann schnell gegangen. Leider ist mir keine schlagfertige Antwort eingefallen. Die Sache verfolgt mich immer noch. Wie hätte ich reagieren sollen? Wie geht man mit solchen Menschen um? Vielleicht wissen sie ja eine Antwort. Danke und viele Grüsse. Melanie, 39

17. Mai 2013 18 Kommentare

Liebe Melanie

Ich kann mir das Szenario bildhaft vorstellen. Sie und Ihre Freundin geniessen den Kaffee und halten einen kleinen Schwatz, während sich die beiden süssen Kleinen ein paar Meter abseits ebenfalls amüsieren und ihren Rundlauf durchs Lokal absolvieren. Solche Szenen beobachte ich oft im grosszügigen Volkshaus und in der kleinen engen Sportbar, und ich muss Ihnen gestehen, ich nerve mich auch über Sie und Ihre Freundin. Und über Ihre Kindern nerve ich mich auch. Also natürlich nicht über Sie im speziellen, schliesslich weiss ich ja gar nicht, wer Sie sind. Aber über Sie als Platzhalterin aller Mütter, die das Gefühl haben, dass ein Restaurant oder ein Caféhaus eine bequemer möblierte Version eines Spielplatzes ist und ihre Kinder herumrennen lassen, als wären Sie auf der Finnenbahn.

Ich weiss, dass Sie Ihr Kind zuckersüss finden und es überhaupt nicht nachvollziehen können, dass es anderen nicht genau so ergeht. Aber ich muss ehrlich zu Ihnen sein. SIE finden Ihr Kind zum Fressen herzig, und der Vater des Kleinen findet das vermutlich auch. Und dann sicher auch noch die Grosseltern und mit etwas Glück noch die Paten. Aber dann ist auch schon Schluss.

Sie haben jetzt ein kleines Kind und Ihr Leben dreht sich vermutlich zu 92% Prozent um den Sprössling und trotzdem möchten Sie die Gewohnheiten Ihrer Vergangenheit weiter pflegen und weiterhin Dinge tun, die moderne Erwachsene tun. Das verstehe ich gut. Und ich weiss auch, dass ein Sprichwort besagt, dass es ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind gross zu ziehn. Aber die Gäste um Sie herum haben vermutlich keinerlei Lust, für Sie das Dorf zu mimen und auch ich habe keine Lust, Ihr Kind zu verlustieren, damit Sie in Ruhe den Kaffee mit Ihrer Freundin geniessen können.

Es ist mir vollkommen bewusst, dass ich mir wenig Freundinnen machen werde mit dieser Antwort, aber glücklicherweise habe ich davon auch schon genügend. Sehen Sie ein, dass Sie sich jetzt in einer anderen Lebensphase befinden und nicht einfach das gleiche Programm weiter abspulen können, wie bisher. Vielleicht wären Sie gerne einer dieser hippen Mütter, die ihr Kind überall hin mitschleppen und aller Welt zeigen, dass man auch noch zur Szene gehören kann, wenn man ein Baby hat. Eine, die den Kinderwagen auch noch abends um 11 in die Kronenhallenbar schiebt, um sich und den anderen zu beweisen, dass sie und ihr Mann immer noch up to date sind. Nicht wie die öden Eltern, die jetzt kaum mehr ausgehen und langweilig zuhause sitzen. Natürlich verbiete ich Ihnen nicht den Besuch eines Lokals, aber wenn Sie es mit Ihrem Kind zusammen tun, dann sollten Sie dieses auch beaufsichtigen und nicht einfach ziehen lassen und sich über die freien Minuten freuen.

Kinder sind grossartig, keine Frage. Aber sie werden in unserer plus/minus-1-Kind-Gesellschaft grundsätzlich überbetont und müssen sich kaum mehr an Regeln halten, weil wir Eltern davon ausgehen, dass alle um uns herum sie genau so entzückend finden, wie wir es tun. Und wie bereits weiter oben erwähnt: Sie tun es nicht. Und zwar mit Recht.

Mit herzlichem Gruss. Ihre Kafi.

liebe frau Freitag. letzthin wurde die frage gestellt, ob beziehungen die unschön beginnen, dennoch eine chance auf ein gelingen haben. ich möchte hiermit den spiess umdrehen, da mir das aus mehreren gründen viel logischer scheint und die frage stellen: haben beziehungen die in filmreifer romantik und noch filmreiferer leidenschaft beginnen eine reelle chance von dauer zu sein? ist der grad der verklärtheit in der ersten, eben romantischen phase überhaupt reparabel, reduzierbar, überlebbar..? sind die folgen einer ernüchterung, wenn einer der zwein oder gar beide wiedet klar sehen noch verbindend genug? mit wieviel lug und trug muss dabei gerechnet werden? liebe frau freitag, du siehst, mit einer frage allein lässt sich die ursprungsfrage nicht stellen… ich hoffe dennoch auf eine antwort, die so manchen frischverliebten dazu verhelfen möge, die rosarote brille wenigstens einmal pro woche (tag frei wählbar) abzulegen, um wieder mal klar zu sehen. Mia, 44

13. Mai 2013 Hinterlasse einen Kommentar

Liebe Mia

Frisch verliebte haben einen an der Waffel, das ist nicht neu und ich habe bereits darüber geschrieben. Ebenso wie Ihnen ist mir das überdrehte Gebalze auch immer etwas suspekt, wenn auch bei Frischverliebten weniger, als bei solchen, die ihre ach so überschäumende Verliebtheit auch nach Jahren noch so wahnsinnig aufdringlich nach aussen kehren müssen.

Grundsätzlich glaube ich auch eher an die einfache Gleichung, dass etwas, was tatsächlich da ist, nicht nonstop demonstriert und vergegenwärtigt werden muss, während Fehlendes  gerne mit überschwänglichen Gesten übertüncht wird.

Und trotzdem bin ich gegen jedwelche erzwungene Desillusionierung! Sollen die Verklärten ihre rosa Brille doch tragen, solange sie wollen, die Zeit der Ernüchterung dauert dann schliesslich noch lange genug!

In diesem Sinne und überhaupt: Wenn es eine Regel gibt, dann diese, dass es keine Regel gibt.

Mit herzlichem Gruss. Ihre Kafi.

Liebe Frau Freitag (Heissen Sie eigentlich immer noch so, nachdem Sie die eine Frage mit dem lebendig-liebevollen “Ja! Unbedingt!” beantwortet haben?), es gibt nicht viele, die so wie Sie über eine von Herz und Geist zugleich erfüllte Sprache verfügen. Und darum vermisse ich Sie! Und darum will ich hier prüfen, wie wahr das Sprichwort “Wer einen Brief bekommen will, die oder der schreibe einen” tatsächlich ist: Meine Frage: “Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne”, heisst es ja. Was aber, wenn dieser Anfang alles andere als von Zauber erfüllt war? Kann aus oder zumindest nach einem missglückten Anfang doch etwas Gutes, etwas Schönes, etwas Besonderes entstehen? Ihr C. H., 46

10. Mai 2013 2 Kommentare

Mein lieber C.H.

Ja, ich heisse immer noch Freitag. Weil sonst würde ja mein FFF-Konzept nicht mehr aufgehen und ich war doch so furchtbar stolz darauf! Mein Vorname Kafi war allerdings kurzweilig in Gefahr. Es schien, als müsste ich eine Namensänderung beantragen und mich stattdessen ‘Prosecco’ nennen, aber auch das hat sich zwischenzeitlich wieder etwas normalisiert.

Ich habe Sie als Stellvertreter meiner anderen lieben Leser und Leserinnen auch vermisst! Und darum unterbreche ich nun für Ihre Frage meinen posthochzeitlichen und posthonigmöndlichen Rausch und kehre kurz an meine Tastatur zurück.

Ihre Frage hat mich ja bereits vor ein paar Tagen erreicht und ich habe gemerkt, dass mich das Thema sehr ambivalent stimmt. Weil einerseits bin ich ja eine furchtbar kitschig-romantische Person und habe es wahnsinnig gern, wenn die Liebe so reibungslos und leidenschaftlich daherkommt, wie es uns so manche Hollywoodschnulze weismachen will. Aber andererseits hänge ich auch sehr an meinem gesunden Menschenverstand und der sagt mir nur zu oft, dass die Realität (leider und Gott sei Dank!) meistens etwas anders aussieht. Auch bei mir.

Wenn ich den Anspruch hätte, dass der Anfang einer Beziehung vor allem von Zauber erfüllt ist, dann wäre ich heute nicht verheiratet und könnte wohl auch sonst so manche Geschichte aus meinem Lebenslauf streichen. Ich gehe langsam aber sicher auf die 40 zu, und wie Sie bestimmt auch wissen, werden Menschen mit dem Alter nicht einfacher. Darum wird auch das unkomplizierte Verlieben eher seltener, wie älter man wird. Zuviele Marotten und Verletzungen hat man auf seinem Lebensweg ins Rucksäckli gepackt und wenn dann ein anderer Wanderer neben einem auf dem Ruhebänkli Platz nimmt, dann lässt man es sich nicht nehmen, diese alle feinsäuberlich auf der Picknickdecke des Lebens auszubreiten. Da ist es kein Wunder, wenn man selber, oder das Gegenüber vor lauter Exponaten gar keinen Platz mehr auf der Decke hat! Es ist darum sicher hilfreich, wenn man das Plaid und seine eigene Geduld an den Enden noch etwas ausrollen kann, weil oft will gut Ding Weile haben.

Ich würde allerdings anders antworten, wenn Sie statt 46, 26 wären. Wenn sich der Beginn einer Beziehung nämlich trotz jugendlicher Grosszügigkeit und geräumigem Rucksack schleppend und schwierig gestaltet, dann rate ich lieber zum “andere Mütter haben auch schöne Töchter/Söhne”-Ansatz.

Mit herzlichem Gruss und ebensolchem Dank für Ihre ach so charmant formulierte Frage! Ihre Kafi.

liebe kafi! hast du keine lust mehr auf deinen blog, den ich so mag? liebe grüsse. elena, 23

17. April 2013 4 Kommentare

Liebe Elena

Doch! Und wie! Und es freut mich natürlich sehr, dass Sie anscheinend auch noch Lust darauf haben.

Ich habe in nunmehr 16 Monaten Sage und Schreibe 232 Fragen beantwortet und der Vorrat an Fragen reicht für ein paar weitere Monate aus. Allerdings kam mir da eine Frage dazwischen, die mir Ende letzten Jahres gestellt wurde, und die mich dann doch mehr Zeit gekostet hat, als ich es anfänglich gedacht hätte. Dabei war sie ganz schlicht und simpel gestellt und die Beantwortung hat mich wenig Aufwand gekostet, es war mit einem kurzen “ja, unbedingt!” getan.

Die Organisation des Hochzeitsfests hat dann schon bedeutend länger gedauert und von der Suche nach dem perfekten Hochzeitkleid (falls Sie auf Facebook sind, können Sie sich das Resultat hier ansehen) und der immens wichtigen Frage, ob der Schleier bis zur Schulter, oder dann doch sogar bis zum Ellbogen reichen soll, will ich schon gar nicht reden.

Auch heute werde ich noch etwas die Spuren der Party verwischen müssen (und zwar diese in der Wohnung, sowie die in meinem Gesicht) und danach die Koffer für die Flitterwochen packen. Sie werden sich drum noch etwas gedulden müssen.

Aber ich komme zurück und das dürfen Sie ruhig als Drohung verstehen! Und für alle die, die in der Zwischenzeit ihre eigene Hochzeit planen dürfen, habe ich unten schon mal eine kleine Liste der absolut besten Adressen zusammengestellt. Nach den langen Wochen der gründlichen Recherche und aufwendigen Organisation könnte ich auch ins Wedding-Planning-Business einsteigen. Ich hoffe indes sehr, dass mir diese Idee nach ein paar Drinks am Strand wieder abhanden kommt. Der Umgang mit gestressten Bräuten soll einem angeblich den allerletzten Nerv rauben.

Bis bald, liebe Elena. Geniessen Sie den Frühling und bleiben Sie mir treu, bis dass die nächsten Ferien uns kurzfristig scheiden. Ihre Kafi.

 

Für Heiratswillige:

  • Der allerbeste Soundteppich, die entzückendste DJ’ette überhaupt: Daniela Miti D’ieri
  • Für den unglaublichen Augenaufschlag und eine Manicure, die selbst der Leimpistole standhält: beautybox
  • Das allerschönste Hotel mit der atemberaubendsten Kulisse: Grandhotel Giessbach
  • Geschmeide, das funkelt bis zum Mond: Carmen Cita Jones
  • Den liebevollsten Ehemann, den bezauberndsten Sohn und die grossherzigste Gästeschar, die man sich wünschen kann: unverlinkbar.

Liebe Kafi. Langsam aber sicher werde auch ich älter und habe das Gefühl gegen die Zeichen des Alters ankämpfen zu müssen. Sie kennen sich doch sicher auch in der beautywelt gut aus, was ist das beste Anti-Aging Mittel, das auf dem Markt ist? Vor einem richtigen Lifting schrecke ich im Moment noch zurück und zu teuer ist es auch. Danke und lieben Gruss. Klara, 52

29. März 2013 1 Kommentar

Liebe Klara.

Musik ist die mit Abstand wirksamste und dabei günstigste Anti-Aging-Waffe, die mir bekannt ist. Tanzen Sie zur Musik Ihrer Jugendjahre und schütteln Sie die überflüssigen Jahresringe einfach ab. Sie werden staunen, es wirkt!

Da kann kein Lifting, kein Botox und keine Hyaluronsäure mithalten, glauben Sie mir.

Alles Liebe und viel Spass beim Headbanging! Ihre Kafi.

Liebe Kafi Freitag, ein guter Freund von mir (Name unwichtig) war kürzlich mit seiner Gattin bei einer Party; dort traf er auf eine alte Bekannte (sie war ebenfalls mit ihrem Gatten unterwegs), die sich alsbald auf einen wüsten Streit (es ging um eine Zigi) mit dem Türsteher einliess. Da sich mein Freund 1. prinzipiell nicht mit Türstehern prügelt, 2. der Türsteher ein richtiger Kasten war, 3. er nicht risikieren wollte, rauszufliegen und seine Gattin alleine zurückzulassen, mischte er sich nicht ein und beschränkte sich darauf, nach geschlagener Blitz-Schlacht (die sie, die Bekannte, natürlich verlor) ihre persönlichen Utensilien (die der Bekannten) einzusammeln. Nun warf ihm diese Bekannte aber in coram publico vor, sie schändlich im Stiche gelassen und verraten zu haben (Feigling, Versager etc.); und zu allem Elend kommt nun auch noch die Gattin des besagten unbekannten Freundes und wirft ihm vor, wie ein Schlappschwanz dazustehen. Mein Freund ist ratlos. Wüsstest Du Rat? Grüsse, Alex Baur, 51

21. März 2013 Hinterlasse einen Kommentar

Lieber Herr Baur

Ihre Frage hat mich sehr gefreut, wirklich. Weil ich manchmal, von Zeit zu Zeit, das Gefühl bekomme, das unsere Welt eine sehr kalte und trostlose geworden ist. Weil wir uns alle zu fruchtbaren Egoisten entwickeln, die sich keinen Deut um das Wohl ihrer Mitmenschen scheren. Aber dann kam ihre Frage und überzeugte mich im Handumdrehen davon, dass dem nicht so ist! Es gibt sehr wohl Menschen, die sich noch für ihre Mitmenschen interessieren und auch einsetzen, und Sie Herr Baur, sind einer davon! Anders als alle Fragenden vor Ihnen, stellen Sie nämlich nicht eine Frage, die Sie selber betrifft, sondern eine in der es um einen Vorfall geht, in den Ihr guter Freund, dessen Name unwichtig ist, verwickelt war. Und wissen Sie was, das gibt mir Hoffnung!

Sie sorgen sich um Ihren Freund und machen sich bestimmt vielerlei Gedanken darüber, wie er sich verhalten hat und wie er sich vielleicht hätte verhalten müssen, zumindest in den Augen der Gattin ihres Freundes, dessen Name unwichtig ist. Das ist sehr schön und wertvoll, Herr Baur und ich würde mir ehrlich wünschen, es gäbe mehr Menschen wie Sie, die sich noch mitfühlend und voller Empathie für die Sorgen und Empfindsamkeiten ihrer Freunde interessieren. Ich kenne nicht viele, die sich hingesetzt, und für das Wohl eines Freundes, dessen Name unwichtig ist, in die Tasten gehauen hätten! Im Gegenteil. Ich war sogar kurz der Meinung, ich wäre der einzige Mensch auf Erden, der so tickt wie Sie.

Ich bin nämlich auch eine so hilfsbereite und empathische Person, die sich immer wieder für ihre Freunde und Freundinnen, dessen und deren Namen unwichtig sind, geflissentlich interessiert und einsetzt. Speziell für den einen Freund, dessen Namen unwichtig ist, und für den ich immer mal wieder Hämorrhoiden-Salbe kaufen gehe, oder wenn es darum geht, meiner lieben Freundin, deren Name unwichtig ist, Zäpfchen gegen ihren Scheidenpilz zu besorgen.

Anteilnahme und Einfühlungsvermögen sind wichtige Werte, die in der heutigen Zeit leider immer mehr in den Hintergrund gedrängt werden. Darum danke ich Ihnen von ganzem Herzen für Ihre Frage und Ihr engagiertes Handeln, was Ihren Freund betrifft, dessen Name unwichtig ist. Bitte machen Sie weiter so!

Mit herzlichen Grüssen. Ihre Kafi.

 

P.S. Rauchen ist gefährlich. Das zeigt sich hier einmal mehr.

Hallo Frau Freitag. Ich bin auch einer dieser übervernünftigen Jugendlichen, mit denen sie es so oft zu tun haben. Und als socher frage ich sie, welche Drogen es lohnen, genommen zu werden. Und worauf man dabei achten sollte. Danke für Ihre Antwort. Claudio, 20

18. März 2013 1 Kommentar

Lieber Claudio

Ich hatte mich schon gefragt, ob ich jemals wieder der Beziehungsfragenfalle entkommen, und ob ich dann noch imstande sein würde, eine Antwort formulieren zu können, die sich nicht um Liebe, das Verlassen und Verlassenwerden dreht.

Darum habe ich mich vorgestern über Ihre Frage grad doppelt gefreut, gopf!

Allerdings habe ich selber nur ganz wenig Erfahrung mit Drogen. Ich bin diesbezüglich ein totaler Angsthase und musste erst richtig erwachsen werden, um mich an gewisse Experimente heran zu wagen. Vielleicht kann ich Ihnen aber trotzdem den ein oder anderen Rat mitgeben, mal sehen.

Wenn man Sie zum Znacht einladet und von der grünen Pestosauce als geheimnisvolle Kräutersauce spricht, sollten Sie eine Ausnüchterungszeit von mindestens 7 Tagen einberechnen. Solange hat der Trip nach dem Abendessen bei den Eltern einer Arbeitskollegin nämlich gedauert und auch danach war ich über eine Woche nicht imstande, einer Witwe das Konto ihres verstorbenen Ehegatten zu saldieren, ohne dabei Tränen zu lachen.

Wenn Sie auf die Idee kommen sollten, zu koksen, muss Ihnen vorher deutlich bewusst sein, dass Sie, trotz aller anderen grössenwahnsinnigen Ideen, die sie während dem Rausch haben werden, a) weder ein Genie sind, noch b) die Lösung für den globalen Weltfrieden gefunden haben. Sie sind einfach nur zugeknallt und bilden sich ein, der uhuere geilste Siech auf Erden zu sein. In Tat und Wahrheit sind sie ein grössenwahnsinniges fickriges Arschloch, dass auch nach stundenlangem pornomässigen Rammeln nicht abspritzen kann. Kurzum: Kokain ist eine kalte Droge, die es nicht zu nehmen lohnt.

Sollten Sie an einer Party Ectasy oder MDMA angeboten bekommen, so lohnt es sich, den Stoff auf seine Reinheit prüfen zu lassen. Ich war ja noch nie auf einem Rave und auf der Streetparade auch nicht, aber ich habe mir sagen lassen, dass dort Drogenexperten ihre Stände aufgebaut haben, um Drogen zu testen und ich würde von diesem Service unbedingt Gebrauch machen! Weil sauberes Ectasy oder reines MDMA ist der Wahnsinn! Ich habe es kürzlich bei einem Abendessen als der totale Herzöffner beschrieben, weil man auf einmal Dinge aussprechen kann, die man nüchtern nicht zu sagen fähig wäre und es, – anders als bei Alkoholbeichten – am anderen Tag kein bisschen bereut. Darum bezeichne ich XTC und MDMA auch gerne als Paartherapie in Pillenform. Ich bin überzeugt, dass die Scheidungsrate tiefer wäre, wenn man Paaren drei mal jährlich eine Pille in die Hand drücken würde und ich überlege mir ernshaft, mit dieser Forderung in die Politik zu gehen. Dass eine Freundin auf mein esotäres “so ein schöner Herzöffner”, mit einem “ach was! ein totaler Futzöffner ist es!” reagiert hat, besagt den Rest und ich werde Sie als meine Wahlkampfleiterin einstellen, weil sie es so wunderbar auf den Punkt bringt.

Allerdings, und das will ich betonen, sollte man es wirklich nicht öfters als 3 mal im Jahr nehmen, weil sonst die Produktion und Aufnahme eigener Glückshormone blockiert werden kann und das ist dann auch der beste Futzöffner nicht wert!

Sie sind noch sehr jung und brauchen noch keine Paartherapie und darum empfehle ich Ihnen den 6 Franken Prosecco mit dem orangen Etikett aus dem Denner. Schaumwein macht einen wunderbaren Schwipps und im Gegensatz zu vielen anderen alkoholischen Getränken selten aggressiv. Ausserdem muss man sehr viel davon trinken, bis man als Komasäufer durchgeht und meistens macht einem die Kohlensäure vorher einen Strich durch die Rechnung.

Lassen Sie die Sache langsam angehen. Es hat einen Grund, warum einem Rotwein erst im Erwachsenenalter schmeckt. Drogen sind eine spannende aber auch gefährliche Angelegenheit, die man besser erst mit einem gefestigten Charakter ausprobieren sollte. Und dazu gehören auch die sogenannt weichen Drogen wie das Kiffen. Denn wenn man davon auch selten stirbt, so kann es einem doch saumässig die Zukunft verderben, weil es auf eine subtile Art teilnahmslos und desinteressiert macht in einer Phase des Lebens, wo Interesse und Begeisterungsfähigkeit so wichtig sind und das jugendliche Dasein eigentlich schon genügend Spannung und Herzflattern liefern!

In diesem Sinne: Viel Freude am Leben und herzliche Grüsse. Ihre Kafi.