Liebe Kafi, ab wann macht eine Beziehung keinen Sinn mehr? Lucy A., 23

16. Mai 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Liebe Lucy

Sobald einem der Respekt gegenüber dem Gegenüber abhanden gekommen ist.

Ganz herzlich. Deine Kafi.

Sali Kafi. Was haltest Du von Leuten, die sich nicht einander vorstellen? Mein Freund ist so einer. Wenn wir im Ausgang sind, dann stehe ich immer daneben und er redet mit Freunden. Ich wohne noch nicht so lange hier und kenne wenig Menschen, er kennt immer alle. Was soll ich tun? Lieben Gruss, Rebecca Steiner, 29

15. Mai 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Liebe Rebecca

Ich halte wenig bis gar nichts von solchen Leuten. Im Gegenteil, ich finde es eine furchtbare Unart, die aber quer durch alle Gesellschaftsschichten weit verbreitet scheint. Gerade gestern war ich in der gleichen Situation, wenn auch auf der anderen Seite. Ich sass mit meinen Liebsten im Café und herein kam ein alter Freund in weiblicher Begleitung. Sobald er mich gesichtet hatte, liess er ebensolche stehen um mich zu begrüssen. Ich stellte ihn dem ganzen Tisch vor und wir schwatzte einen Moment miteinander. Als er sich umdrehte, war seine Begleitung ausser Sichtweite verschwunden. Nachdem er sie endlich wiedergefunden hatte, setzten sich die beiden an einen Tisch und tranken Kaffee. Beim Gehen das gleiche traurige Schauspiel; er passierte meinen Tisch, plaudert kurz und liess die Dame stehen. Diese wartete vor dem Café auf ihn und zog dann mit ihm weiter. Ich an ihrer Stelle wäre, spätestens beim zweiten Mal stehen gelassen werden, allein von dannen gezogen. Und das würde ich auch Ihnen raten, liebe Rebecca.

Ich habe dieses Verhalten an einigen Männern in meiner Vergangenheit beobachten müssen und ich fand es schon immer furchtbar unhöflich. Während ich es am Anfang mit ‘GfK’ (gewaltfreie Kommunikation) versuchte, (“ich bin gekränkt, wenn ich neben Dir stehe und Du mich nicht vorstellst, weil ich dann nicht am Gespräch teilnehmen kann und mich stehen gelassen fühle”), bin ich später auf ‘GfD’ (gewieft-flinkes Davonlaufen) umgestiegen und hatte damit bedeutend mehr Erfolg. Mit dem gleichen Konzept kann man übrigens auch auf chronisch verspätete Menschen reagieren, es ist sehr flexibel.

Darum rate ich Ihnen und allen anderen “bestellten und nicht abgeholten” die Flucht nach vorn. Thematisieren Sie die Angelegenheit einmal, meinetwegen zweimal. Danach sollten Sie auf dem Absatz kehrt machen und entweder nach charmanterer Begleitung oder der Tür Ausschau halten. Glauben Sie mir, das wirkt!

Viel Erfolg damit und lieben Gruss! Ihre Kafi

Liebe Frau Freitag. Dürfen Veganer eigentlich Sperma schlucken? Uran Pekhar, 40

14. Mai 2012 1 Kommentar

Lieber Herr Pekhar

Da es mir von Natur aus vollkommen schnurz ist, was Veganer dürfen und was nicht, musste ich mich erst einmal schlau machen. Meine Recherchen haben ergeben, dass es kein Problem sein sollte. Im Gegenteil, so wie ich es sehe, ist Sperma für eine ausgewogene vegane Ernährung praktisch unerlässlich. Hier können Sie sogar ein Kochbuch mit leckeren Sperma-Menues bestellen, damit der Verzehr nicht verleidet. Mit anderen Worten: Ja, Herr Pekhar, Sie dürfen getrost Sperma schlucken.

Ich als Fleischesserin besorge mir Eiweiss und Vitamin B12 lieber im Rahmen eines saftigen Rindsfilets.

Einen guten Appetit und Gruss. Ihre Kafi.

Liebe Kafi. Ich habe kürzlich gelesen: “Tätowierungen muss heute niemand mehr zeigen, die Möglichkeit, solche zu entfernen (mittels Lasertechnik), ist gegeben.” Muss ich mein Tattoo nun entfernen? Mit freundlichen Grüssen. Ursula Wagner, 32

11. Mai 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Liebe Frau Wagner

Aber selbstverständlich müssen Sie das!

So wie heute niemand mehr dick sein muss, weil die Möglichkeit, Fett abzusaugen, gegeben ist. Keine Frau muss heutzutage ihr Kind noch auf natürlichem Wege zur Welt bringen, weil die Möglichkeit des Kaiserschnitts gegeben ist und kein Mann muss es davor auf natürlichem Wege zeugen, weil die Möglichkeit, es künstlich im Labor zu tun, es ebenfalls ist. Keiner muss mehr mit einer Körpergrösse von unter 1.68 m leben, weil in Asien die Möglichkeit der Beinstreckung gegeben ist. Niemand muss mehr verheiratet bleiben, weil die Möglichkeit der Scheidung gegeben und sogar verbreitet ist. Kein Mensch muss in den Ferien auf seinem eigenen Balkon sitzen, weil die Möglichkeit einer weltumkreisenden Kreuzfahrt gegeben ist. Es muss auch keiner mehr für diese Reise sparen, weil die Möglichkeiten eines unkomplizierten Privatkredits gegeben sind und wenn er es trotzdem tut, dann ist er selber schuld!

Sie sehen, was anscheinend harmlos mit einem Tatoo beginnt, wächst ungehemmt ins Bodenlose. Es gibt viel zu tun, weil wir vieles nicht mehr müssen aber umso mehr können, da die Möglichkeiten dazu gegeben sind. Packen wir es an!

Mit sommerlichem Grusse, Ihre Kafi.

Hallo Frau Freitag und zwar geht es um meinen Freund. Wir sind jetzt seit 11 Jahren zusammen und schon seit sehr langer Zeit ist es so das mein Freund sich nicht richtig wäscht obwohl er wegen seiner Körperfülle sehr stark schwitzt. Dann hat er Schuppenflechte auf dem Kopf und an, in und hinter den Ohren. Ich habe fast ein halbes Jahr gebraucht um ihn dazu zu bewegen zum Hautarzt zu gehen. Jetzt war er und hat ein Mittel bekommen für die Schuppen auf dem Kopf usw. wendet es aber nicht an. Seine Fußnägel sind immer ca. fast 5 mm lang. Rasieren tut er sich höchstens alle 4 Tage wegen angeblicher Bartflechte die er aber gar nicht hat. Das ist immer seine beste Ausrede damit er sich nicht rasieren muss. Seine T-Shirts sind immer voller Schuppenschnee und riechen nach Schweiß. Seine Hosen riechen immer so wie alter Käse. Die Socken ebenfalls. Die Socken sind meist keine Socken mehr sondern Siebe. Dann pupst er und findet das dann auch noch total komisch und lacht sich darüber übelst kaputt wenn es so richtig stinkt. Das ist doch wirklich eklig oder? Meine Mutter sagt dann immer zu mir ich soll ihm sagen das er sich mal wieder die Haare waschen muss, ein frisches T-Shirt und frischwaschene Hosen anziehen soll, das er mal aufräumen soll usw. usw. Das nervt mich. Ich finde er ist doch erwachsen genug mit seinen 35 Jahren und sollte selbst wissen wann es soweit ist mal zu duschen zu baden und sich frisch anzuziehen oder sehen sie das anders? Und sein Messieverhalten kommt noch dazu. Er sammelt alles mögliche Videokasetten die er angeblich auf DVD überspielen will, DVD’s, Musik- und Computer CD’s massigweise. In unserem Schlafzimmer ist auf der einen Seite ein Riesenhaufen aus Kartons, Eisenbahnkram, Beutel mit irgendwelchem KrimsKrams. Der Bettkasten ist voll gestopft mit allem möglichen Kram (Stofftiere, Teddys, alte Pornohefte von seinem Vater und noch vielem mehr. Ich glaube wenn ich ihn für eine Weile alleine in seiner Wohnung lassen würde dann würde es glaub ich nicht lange dauern und die Wohnung wäre vermüllt. Eine Wohnung hatte er ja schon mal so zugemüllt das meine ganze Familie mithelfen musste auszuräumen und wegzuschmeißen. Mittlerweile hat sich wieder so viel Kram angesammelt das kaum Platz für mich bleibt in dieser Wohnung. Mein Psychotherapeut meint mein Freund hätte das Messiesyndrom. Zwar nicht so ausgeprägt vielleicht wie man es im Fernsehen so sieht aber so ähnlich. Ich danke Ihnen schon jetzt für Ihre Hilfe und Tipps und wünsche eine schöne Woche. Liebe Grüße, Sandra, 37

9. Mai 2012 5 Kommentare

Liebe Sandra.

Stellen Sie die Pornohefte Ihres Schwiegervaters auf Ebay, die könnten durchaus was wert sein. Danach packen Sie Ihre sieben Sachen und verlassen den Freund und seinen Saustall, solange sie die Haustüre noch selbständig von innen öffnen können.

Am besten noch heute!

Mit herzlichem Gruss, Ihre Kafi.

 

Guten Tag Frau Freitag. Meine Frau und ich sind seit 8 Jahren glücklich verheiratet. Wir verstehen uns sehr gut und haben es schön miteinander, auch sexuell. Aber leider will meine Frau phasenweise sehr selten Sex und ich möchte eigentlich immer. Ich begehre meine Frau sehr, auch wenn wir schon länger zusammen sind. Ich habe mir angewöhnt, während diesen Phasen öfter zu onanieren, wenn auch mit einem etwas schlechten Gewissen. Und kürzlich hat mich meine Frau unter der Dusche dabei gesehen und ist seither beleidigt. Wie soll ich ihr erklären, dass es nichts mit ihr zu tun hat? Pascal Huber, 44

8. Mai 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Lieber Herr Huber

Ich finde ganz ehrlich, dass es da nicht viel zu erklären gibt. Sie schildern alles in Ihrer Frage und das sollte als Erklärung genügen. Sie begehren Ihre Frau und möchten häufiger mit ihr schlafen, als sie es möchte. Sie befriedigen sich in diesen Zeiten selber und freuen sich auf solche, in denen Ihre Frau wieder mehr Lust hat. Was soll daran schlimm sein?

Ich fände es bedenklich, wenn Sie Ihre Frau unter Druck setzen würden oder mit Fremdgehen drohen. Ihre Frau soll glücklich darüber sein, dass Sie einen Weg gefunden haben, Ihre Lust zu leben, wenn Sie den Drang danach nicht so hat. Sie nehmen ihr nichts weg und überhaupt, Ihre Libido ist mit der Heirat nicht an Ihre Gattin überschrieben worden.

Verweisen Sie die Frau Huber doch einfach an Bärbel Schäfer. Diese hat ihren Liebsten, Michel Friedman mit einer Hand voll Nutten und ebenso viel Koks erwischt und ihn trotz alledem ein Jahr später geheiratet. Danach wird Ihre Frau wieder in Ruhe ihren Grüntee trinken können, während Sie in der Wanne Ihrer Wonne fröhnen.

Mit liebem Gruss, Ihre Kafi.

Wie viel ein Kind zuhause mithelfen? Mit Mithelfen ist Hausarbeiten erledigen, Babysitten etc. gemeint. und wie hoch soll das Taschengeld sein? (Die Kinder beschweren sich wegen beider Dingen). Denise, 40

7. Mai 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Liebe Denise

Schwer zu sagen, weil Sie das Alter Ihrer Kinder nicht dazugeschrieben haben. Aber grundsätzlich bin ich schon der Meinung, dass Kinder im Haushalt helfen sollen und auch Taschengeld finde ich eine gute Sache. Mein Sohn (7) kommt leider nur selten dazu, Zuhause mitzuhelfen, weil er in seiner Freizeit Fussbälle für die Credit Suisse nähen darf. Aber dafür muss ich ihm auch nicht so viel Taschengeld bezahlen. Die CS zahlt pro korrekt genähten Fussball 50 Rp. an ein wohltätiges Projekt gegen Kinderarbeit in der 3. Welt und 50 Rp. direkt an meinen Sohn, da kommt schon was zusammen, wenn er ein bisschen Gutzi gibt.

Falls es in Ihrer Nähe keine ähnliche Institution gibt, welche Ihren Kindern den Wert von Arbeit und Geld näherbringt, so macht es durchaus Sinn, sie im Haushalt ein wenig einzuspannen. Leichte Hausarbeit wie Fensterputzen, Holzfussböden abschleifen und die gründliche Reinigung von schwer zugänglichen Nischen sollten schon drinn sein. Falls Ihre Kinder besonders geschickte Hände haben, so würde ich ihnen ausserdem beibringen, wie man Fingernägel hübsch lackiert und sie anschliessend an die Hausarbeit noch zu den zahlungskräftigen Nachbarinnen schicken. Die Dämpfe der Nagellackentferner sind auch nicht mehr, was sie in meiner Kindheit mal waren und so besteht auch kaum mehr das Risiko einer Abhängigkeit.

Sie sehen, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und während ich schreibe, kommen mir 1000 weitere gute Einsatzmöglichkeiten in den Sinn! Leider scheitere ich bei meinem eigenen Kind bis zum heutigen Tage daran, dass es die Jacke ordentlich hinhängt, die Schuhe an den richtigen Platz stellt und sich die Hände wäscht, wenn es vom Fussballnähen kommt. Aber sobald ich das alles im Griff habe, mache ich mich an einen Ämtliplan, versprochen!

Und was das Taschengeld angeht, so sehe ich darin vor allem einen erzieherischen Effekt. Die wöchentliche Übergabe von Moneten soll den Umgang damit schulen. Ich habe nie welches bekommen und muss bis heute dafür bezahlen. Wenn ich Geld in Händen halte, so muss ich es schnellstmöglich in den Kreislauf der Volkswirtschaft zurückführen. Würden mehr Menschen wie ich ticken, würde unser Land nicht in einer Konjunkturkrise vor sich hin dümpeln. Mit diesem Wissen können Sie nun selber steuern, in welche Richtung das Ganze laufen soll. Sehen Sie Ihre Kinder eher als Teil des grossen Ganzen, die sich tatkräftig für die Weiterentwicklung der eigenen Staatsgemeinschaft einsetzen, dann verweigern Sie ab sofort sämtliches Taschengeld. Würden Sie Ihre zukünftigen Enkel aber lieber im Eigenheim am See besuchen gehen, dann zahlen Sie regelmässig ein knapp bemessenes Taschengeld, dass sich nur zum Sparen, aber nicht auszugeben lohnt. Wenn Sie Kinder haben möchten, die Ihnen noch mit Mitte vierzig auf der Tasche sitzen, dann rentiert es sich durchaus schon in jungen Jahren in diese Entwicklung zu investieren und etwas tiefer in die Tasche zu greifen.

Sie sehen selber, der Möglichkeiten sind viele, der Folgeschäden aber auch. Und wie auch immer Sie es machen, Beschwerden werden kommen. Wenn nicht heute, dann rückwirkend in zwanzig Jahren.

Viel Spass beim Brüten über Finanz- und Einsatzplänen und Ihnen und Ihren Kindern alles Gute! Ihre Kafi.

Der Vater meiner aller besten Freundin neben der ich 18 Jahre gewohnt habe ist heute plötzlich gestorben. Er war selbst für mich ein Ersatzdaddy. Ich weiss nicht wo mir der Kopf steht. Ach was frag ich mich das. Ich sehe sie morgen und weiss nicht was tun, was sagen, einfach nichts. Was bin ich für eine Freundin, wenn ich ihr nicht helfen kann? Andrea, 22

6. Mai 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Meine liebe Andrea

Ihre Frage hat mich vor ein paar Tagen erreicht, aber ich war mit meinem Bub in den Bergen und ohne W-Lan und Blog unterwegs. Verzeihen Sie darum bitte, dass ich Ihre Frage nicht früher beantwortet habe.

Zuerst möchte ich Ihnen von Herzen mein Mitgefühl aussprechen. Sie haben einen überaus wichtigen Menschen verloren, das tut mir sehr leid. Die Begegnung mit Ihrer besten Freundin war vor drei Tagen, und ich hoffe, dass es Ihnen beiden gelungen ist, ob all der Trauer einen Weg zueinander zu finden. Sie hatten grosse Angst davor, weil Sie nicht wussten, was Sie sagen oder tun sollten. Aber wer weiss das schon? Der Tod eines nahe stehenden Menschen versetzt uns alle in einen Ausnahmezustand, über den wir nichts ahnen können, bis wir ihn erleben. Darum gibt es auch keine generell richtige oder falsche Reaktion darauf. Die meisten Menschen sind überfordert, wenn jemand aus dem Bekanntenkreis einen Angehörigen verliert. Sie wissen nicht, wie sie auf den trauernden Menschen zugehen sollen und lassen es dann oft aus Unsicherheit und Angst, etwas falsch zu machen, ganz einfach bleiben. Dabei brauchen die verlassenen Menschen die Gewissheit, mit ihrer Trauer und Verzweiflung nicht allein zu sein. Darum ist es das ehrlichste und menschlichste, wenn man auf die Person zugeht und diese Unsicherheit offen anspricht. Man kann nicht wissen, was der Trauernde gerade durchmacht und darum kann man auch nicht wissen, wie man am besten beistehen kann. Und das erwartet auch niemand von uns. Vermutlich weiss es die betroffene Person selber nicht genau, schliesslich verliert man einen Menschen immer zum ersten Mal.

Der Tod ist in unserer Kultur kein natürlicher Teil des Lebens, sondern noch immer ein Tabu. Darum haben wir keine Sprache dafür und suchen nach Worten, wenn es soweit ist. Suchen wir aber nicht zu lange! Das wichtigste ist nämlich, dass man für den hinterbliebenen Menschen da ist und sich nicht aus lauter Beklommen- und Sprachlosigkeit abwendet. Da sein und verstehen, dass die Lücke niemals wieder geschlossen werden kann. Der Vater, die Schwester oder das Kind, das man verliert, wird einem niemals ersetzt werden. Und darum muss es auch möglich sein, diesen Verlust zu bedauern, selbst dann, wenn die erste grosse Trauer überwunden ist. Es gibt nicht Schlimmeres, als wenn man gesagt bekommt, dass das Leben weitergehen muss und man darum gefälligst nicht mehr über den verstorbenen Menschen reden soll. Als würde der Schmerz vergehen, nur weil man ihn nicht mehr beim Namen nennt.

Für Sie ist es im Moment nicht ganz einfach, das verstehe ich gut. Sie haben Ihre eigene Wehmut über den Verlust Ihres “Ersatzvaters” und möchten gleichzeitig Ihrer Freundin Trost spenden und Ihr helfen, weil auch sie ihren Vater verloren hat. Das klingt im ersten Moment nach einer verzwickten Situation, aber das muss es eigentlich nicht sein. Sie beschreiben sich und Ihre Kameradin als allerbeste Freundinnen. Das setzt voraus, dass es keine Eifersucht um den “gemeinsamen” Vater gab. Darum sollte es auch jetzt möglich sein, dass Sie Ihrer eigenen Trauer Platz einräumen und trotzdem für Ihre Freundin da sind. Niemand kann deren Gefühle im Moment besser verstehen als Sie, die ihn auch sehr gerne hatten und nun auch ohne ihn leben müssen. Warum nicht gemeinsam um ihn weinen, gemeinsam über ihn reden und ihn dadurch in Erinnerung behalten. Und ich bin überzeugt, dass es Ihnen beiden gelingen wird, auch wieder gemeinsame Erinnerungen an ihn zu finden, die sie zwei zum Lachen bringen werden.

Mit einer lieben Umarmung, Ihre Kafi.

Liebe Frau Freitag, die tägliche Lektüre Ihrer Kolumne erhellt meine Stimmung ungemein. Merci!! Nun beweisen Sie bitte auch zu dieser Frage Ihre Expertise: Ich spiele mit dem Gedanken, ein Buch zu veröffentlichen, oder einen Gedichtband. Es haben sich schon einige Fragmente und Gedichte angesammelt und sammeln sich weiterhin an. An wen wende ich mich nun am besten? An einen Lektor meines Vertrauens (ich vertraue bisher keinem, da ich keinen kenne)? An den Freundeskreis zur Kritik, den ich zu ermüden befürchte (da sie schon jetzt herhalten, ich nehme an, freiwillig und wohlgesonnen)? Wenn Sie möchten, schicke ich Ihnen gern ein Stücklein zu, damit Sie sich von dem Geschreibsel ein Bild machen können. Aber eben, was dann? Liebe Grüsse vom Olivenhain. Sladjana, 23

1. Mai 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Liebe Sladjana

Gute Frage! Da habe ich nun wirklich keine Ahnung. Bis jetzt musste ich meine Zeit damit verbringen, hartnäckige Anfragen und unmoralische Angebote von Verlagen abzuwimmeln, die meinen Blog in gedruckter und gebundener Form auf den Markt bringen möchten. Wenn Sie mich fragen würden, wie man da am besten vorgeht, dann könnte ich Ihnen einige wirkungsvolle Absagevorlagen schicken, aber andersrum müsste ich jetzt auch improvisieren.

Da die vielen Bittschriften von Verlagen und Literaturagenturen aus der ganzen Welt kommen, nehme ich an, dass diese Interesse haben an hochqualitativem Geschreibsel. Insofern wäre es sicher sinnvoll, sich direkt an diese Stellen zu wenden. Konkret kann ich Ihnen jetzt allerdings keine Empfehlung abgeben, da ich die Qualität der Buchvertriebe ungern allein über die Höhe der mitgeschickten Vorauszahlungs-Checks beurteilen möchte. Gehen Sie doch einfach mal in eine Buchhandlung und schauen Sie, welche Bücher Ihnen selber optisch am besten gefallen und welche Verlage dahinter stehen. An dieser Aussage können Sie erkennen, dass es Perlen vor die Säue wäre, mir ein Schmankerl Ihrer Arbeit zu schicken. Ich kaufe Bücher nur wegen derer dekorativen Wirkung oder wenn mein Sohn wieder einmal Blumen pressen möchte. Ich kann kaum lesen und versuche auch gar nicht erst, es richtig zu lernen. Sonst hätte ich gar keine Zeit mehr zum Schreiben, und wer würde sich dann ums Erhellen Ihrer Stimmung kümmern, wer?

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen von Herzen viel Erfolg und Musse! Ihre Kafi.

Ich arbeite viel und gerne alleine, und bin da relativ wiff und zackig. Manchmal muss man aber mit Menschen zusammen arbeiten, die einen anderen Rhythmus haben als man selbst.  Aber wenn ich mit Leuten eine Sitzung habe, die ewig langsam sind und irgendwie den Laden aufhalten, dann krieg ich innerlich ne Wut. Ich fühle mich gebremst und das macht mich traurig und wütend. Ich unterdrücke die wütende Langeweile bis ich dann, nach einer Stunde oder so, dann doch laut werde und etwas wütendes von mir lasse. Mein Hauptproblem ist nun: Ich schäme mich total dafür. Ich entschuldige mich nachher immer bei den Leuten. Aber oft zieh ich mich nachher zurück und meide dann den Kontakt zu diesen Leuten, aus Angst sie meinen, ich bin eine tollwütige Zicke. Dabei bin ich im allgemeinen ein sehr lieber Mensch… Was meinst du dazu? Petra, 32

28. April 2012 1 Kommentar

Liebe Petra

Erstens einmal: ICH WEISS, WOVON SIE REDEN! Vor gefühlten 120 Jahren habe ich in der Beamtenstadt Bern eine Boutique geführt und bin schier verzweifelt, weil ich das Gefühl hatte, den Verkäuferinnen im Gehen die Schnürsenkel binden zu können. Mein Mitgefühl ist Ihnen also gewiss. Das alleine bringt Sie allerdings nicht viel weiter, ich weiss.

Diesem Phänomen bin ich über die Jahre hinweg immer wieder begegnet, und es wurde nicht besser, eher noch schlimmer, weil mir die Effizienz meiner Arbeit auch noch  wichtiger war, als der Tratsch an der Kaffeemaschine. Sie können sich sicher vorstellen, dass meine sogenannte “Teamfähigkeit” unter diesen Tatsachen sehr gelitten hat. Gäbe es eine Immunisiserung gegen die Symptome tollwütiger Zicken, man hätte mich von Seiten Arbeitgeber sicher regelmässig zwangsgeimpft. Wenigstens habe ich mich selten für meine Ausbrüche geschämt; ich war meist in männerdominierten Branchen tätig und hatte darum den sogenannten Zyklus-Bonus, und darüber hinaus habe ich es eh nicht so mit der Scham.

Heute sehe ich das Ganze aus einer etwas anderen Perspektive. Wenn ich als Coach mit einem Kunden arbeite, oder als Mutter mein Sohn grossziehe, so kann ich deren Entwicklung zwar begleiten und unterstützen, nicht aber beschleunigen. So wurde ich gezwungen, die Geschwindigkeit anderer mehr zu respektieren und meine daran anzupassen. Dadurch habe ich die Vorzüge erkannt, die ein gedrosseltes Tempo hat. Wo ich früher nur gehastet bin, habe ich Schlendern gelernt. Meine eigene Effizienz hat die letzten Jahre arg gelitten, weil ich mir selber mehr Zeit lasse. Trotzdem habe ich keine Angst, zu spät zu sterben. Was nicht heissen soll, dass ich nicht beinahe die Wände hochgehe, wenn ich morgens meinem Kind zuschaue, wie es sich für die Schule parat macht, oder an einer Kasse stehe, und die Verkäuferin seelenruhig mit ihrer Freundin telefoniert.

Ich hoffe, Sie verstehen ein bisschen, was ich Ihnen sagen möchte. Hinter der Arbeitsweise und dem Pace eines Menschen stehen immer Werte. Bei Ihnen ist es Effizienz; Sie haben immer das Ergebnis im Auge. Einem anderen ist es wichtig, dass im Team eine gute Stimmung herrscht, darum “trödelt” er gerne etwas rum und plaudert mit jedem ein paar Minuten. Ein anderer konzentriert sich auf Details und kümmert sich gewissenhaft um Feinheiten, die mir auf der Überholspur entgehen würden. Wenn Sie sich einmal etwas Zeit nehmen und versuchen zu erkennen, welche Motive und Werte für Ihre Gschpändli massgebend sind, dann werden Sie vielleicht nur noch einmal im Monat Zickenmässig herumschreien. Und dies können wir Frauen ja immer auf den Zyklus schieben, dafür ist er schliesslich da. Am besten heben Sie es sich für die Faulen auf. Die verdienen es wenigstens und so müssen Sie auch Ihr Gewissen nicht unnötig belasten.

Anteilnehmend, Ihre Kafi.