Liebe Frau Freitag Ich würde sie gerne auf facebook als friend adden. Nun ist es aber so, dass wir beide noch nie persönlichen Kontakt hatten und ich adde nur Leute mit denen ich schon zu tun hatte, das ist mein Credo. Bei friendrequests halte ich es anders, da nehme ich alles das entweder gut ausschaut oder nette gemeinsame Gspänli hat, also gute Referenzen. Da bin ich dann nicht so streng. Sie hätte ich allerdings gerne in meinem erlauchten Kreis der facebookfreunde, da ich ihren Blog enorm gut finde. Und zu guter Letzt wurden sie mir schon öfters als ‘people you may know’ vorgeschlagen. Oder ich lade sie hiermit mal auf einen Tee ein am Nachmittag und adde sie dann guten Gewissens danach. Und ja ich benutze facebook in Englisch, damit ich à jour bleib mit der Sprache. Hochachtungsvoll, Elena Bencze, 34

Meine verehrte Frau Bencze

Was für eine reizende Anfrage, die Sie mir da zusenden, herzlichen Dank dafür. Ich verstehe Ihre Sorge, was die Erweiterung des Facebook-Freundeskreises betrifft, bin ich doch selber immer wieder hin- und hergerissen ob dieser Aufgabenstellung. Als ich vor 4 Jahren Facebook erlag, war ich sehr streng, was die Einquartierung neuer Menschen in mein FB-Portfolio betraf. Jeden einzelnen der mich anfragte, prüfte ich auf Herz und Nieren und ich fragte mich bei jeder Person folgendes: “Würde ich für dieses Wesen die Strassenseite wechseln um es persönlich zu grüssen?” Konnte ich diese Frage leichten Herzens mit ‘JA’ beantworten, bejahte ich auch die Anfrage. Bei ‘NEIN’ wählte ich das diplomatische ‘Nicht jetzt’. So lebte ich für eine Weile mit meinen knapp über 100 Freunden glücklich und froh und es ging, ähnlich einer Kommune, sehr familiär zu und her. Allerdings auch etwas langweilig, waren doch nur etwa 8 % der Sippe mitteilungsbedürftig und der Rest unauffällig und stumm. Darum habe ich irgendwann meine restriktiven Kriterien etwas gelockert und die Gretchenfrage novelliert in Richtung des Grüssens per Winken quer über die Strasse. Diese Liberalisierung der Aufnahmebedingungen verdoppelte meinen Freundeskreis schlagartig auf über 200 Personen und den Kreis der aktiven Facebook-Freunde auf knapp 20. Auch damit kam ich eine Weile gut zurecht, kannte ich doch immerhin noch jeder meiner “Freunde” persönlich und es war doch etwas mehr Betrieb auf meiner Pinnwand, wenn auch noch nicht wirklich allzu viel Trubel. Bald einmal las ich auf Pinnwänden Statements oder Kommentare mir unbekannter Facebook-Mitglieder und ich musste einsehen, dass der eine oder andere bedeutend spannender war, als die mir bekannten 200, die ich bereits hortete. Und so wurde ich weltoffener und risikofreudiger und fing an, Menschen anzufragen, die ich zwar nicht kannte, die mich aber interessierten, weil sie besonders geistreiche oder aber ausgeprochen lustige Dinge schrieben. Bei Anfragen von Fremden war ich nach wie vor zurückhaltender und prüfte den gemeinsamen Freundeskreis, so wie Sie es auch zu tun pflegen. Und war mal ein besonders attraktives Bild dabei, so war auch ich etwas lascher, das gebe ich gerne zu. Und so ist mein Freundeskreis die letzten Jahre auf genau 575 Freunde herangewachsen, und zwar ziemlich organisch und ohne jeglichen Ehrgeiz, möglichst viele Freunde in möglichst kurzer Zeit zu sammeln.

Mit diesen 575 teile ich tagtäglich Persönliches aus meinem Leben ohne mich oder meine Seele zu verkaufen. Ich poste, wenn ich etwas besonders lustiges erlebe und betone immer mal wieder die Vorteile eines klassischen Käsefondues. So ziehen die Tage ins Land und ich vergesse mit viel Grossmut die 92 % oder umgerechnet 529 Freunde, die selber nie etwas posten, nie etwas von sich preisgeben, aber still mitlesen und immer wissen, was ich schreibe. Von Zeit zu Zeit ärgern mich diese, weil ich mir einbilde, dass ein soziales Netzwerk von allen gepflegt werden und es eine Art ‘Geben und Nehmen’ sein sollte und dann plustere ich mich auf wie ein verwöhnte Diva und drohe diesen mit dem finalen Rausschmiss um mich Stunden später dann doch dagegen zu entschliessen, weil eine Trennung immer etwas trauriges in sich birgt, selbst auf Facebook.

Sie sehen Frau Bencze, es geht mir ganz ähnlich wie Ihnen und seit ich mir diesen Blog geschenkt habe, vor etwas mehr als einem Monat, stapeln sich weitere 100 Anfragen und ich drücke mich davor, eine Entscheidung zu treffen und lasse die meisten unhöflich auf Antwort warten.

Bei Ihnen würde ich allerdings eine Ausnahme machen, ist Ihre Anfrage doch im höchsten Masse gewinnend. Ich überlege mir allerdings noch, ob ich mich erst zieren und auf den besagten Tee einladen lassen, oder Sie gleich selber adden sollte. Meine Referenzen sind einwandfrei, wenn man den ein oder anderen Künstler in meinem Portfolio mal kurzfristig verdrängt und ich würde mich auch bemühen, immer möglichst gut auszuschauen.

Ich benutze Facebook übrigens auf Deutsch und darum ist es mir bis anhin entgangen, dass ‘à jour bleiben’ eine englische Redensart ist, aber es ist bei weitem nicht das einzige, was mir entgeht und darum werde ich auch damit leben müssen.

Es würde mich also sehr freuen, wenn wir schon bald Freunde würden auf Facebook und den Tee sollten wir auch trinken, damit Sie diesen mutigen Schritt mit Ihrem Gewissen vereinbaren können. Nun bleibt nur noch die Frage: Sie oder ich, wer wagt den ersten Schritt?

Erwartungsvoll, Ihre Kafi.

27. Januar 2012 1 Kommentar

Hallo Kafi. Ich winde mich vor Liebeskummer und Herzschmerz und das seit Monaten schon. Es wird einfach nicht besser… Alle sagen, es geht vorbei aber davon merke ich nichts. Sie ist weg und ich krepiere. Scheisse, was soll ich tun? Jan, 31

Lieber Jan

Es tut mir so leid, das zu lesen, wirklich. Ich kenne das nur zu gut, es ist furchtbar!!! Und ich muss Ihnen fatalerweise gestehen, dass ich darauf weder eine Antwort, noch eine Lösung kenne. Und ich glaube auch, dass es keine gibt, leider.

Wie immer habe ich auch hier nichts unversucht gelassen, wie es so meine Art ist. Ich habe meinen Kopf wochenlang gegen sämtliche Wände geschlagen, aber das musste ich irgendwann einstellen weil es einfach zu anstrengend wurde und die Kopfschmerzen waren auch nicht ohne. Ich habe getrunken, was das Zeug hält und das war – zumindest kurzfristig – doch recht effizient, bis mein Osteopath die arg strapazierten Leber antippte und ich aufschrie wie am Spiess. Ich habe mich abgelenkt mit Shopping, Kultur, Facebook und charmanten Männern, aber der Effekt war meist von kurzer Dauer. Und da habe ich eingesehn, dass ich da durch muss, irgendwie.

Das wird Ihnen jetzt nicht viel weiterhelfen und das tut mir ehrlich leid. Aber es gibt wirklich kein Rezept gegen Liebeskummer und auch keine mildernden Umstände. Das einzige, was wirklich funktioniert ist, sich frisch zu verlieben, und zwar Hals über Kopf und ohne Rücksicht auf Verluste. Aber das neue Objekt der Begierde wird dann zu einer Art Transportmittel aus dem Jammertal und das wird keinem Menschen wirklich gerecht.

Das einzige, was irgendwie zu stimmen scheint, ist die Tatsache, DASS es irgendwann vorbei geht. Schliesslich erleiden Sie und ich diesen Terror nicht zum ersten mal und wir sind beide ganz offensichtlich nicht daran krepiert, immerhin. Vielleicht kann diese Tatsache Ihnen etwas Trost spenden, dann wäre ich sehr glücklich. Bei mir hilft nämlich noch nicht einmal das.

Mitfühlend, Ihre Kafi.

P.S. Falls Sie das mit dem Saufen durchziehen, grüssen Sie Demi ganz herzlich von mir!

26. Januar 2012 2 Kommentare

Grüezi Frau Freitag. Ich habe ein Problem. Ich bin seit kurzer Zeit auf Elite Partner und habe nächste Woche 2 Dates. Dummerweise habe ich mich im Profil 7 Jahre jünger gemacht und auch das Photo ist schon etwas älter. Die eine Dame ist mir sehr sympathisch geworden, so vom mailen. Ich habe nun Angst, dass ich keine Chancen bei Ihr habe. Was soll ich tun? Günther, 54

Lieber Günther

Lügen habe kurze Beine, so sagt man, aber ich bin sicher, Sie haben sich auch einige cm grösser geschummelt uns so gleicht sich das dann wieder aus, nicht wahr?

Ja, Sie sitzen wirklich in der Tinte, das kann selbst ich nicht schönreden. Und ich komme nicht umhin, Sie zu fragen, was Sie damit bezwecken wollten. Schliesslich wussten Sie von Anfang an, dass es früher oder später herauskommen würde. Und soviel ist sicher; es kommt immer heraus. Darum habe ich mir das Lügen vor längerer Zeit abgewöhnt. Und weil ich schlicht zu doof dafür bin. Ich kann mir nichts einprägen. Keine Namen und keine Nummern und schon gar keine Lügengeschichten. Das zwingt mich zur Wahrheit und schon die kann ich mir kaum merken.

Aber ich will Sie jetzt nicht länger quälen, Sie wissen selber, dass das bescheuert war. Nun gibt es für Sie nur noch die Flucht nach vorn, und zwar baldmöglichst. Schreiben Sie der Dame genau das, was Sie mir geschrieben haben. Oder schicken Sie Ihr den Link zu meinem Blog, dann weiss sie, dass Ihnen bereits anständig der Kopf gewaschen wurde. Sagen Sie ihr offen und ehrlich, dass es dumm war und Sie in Tat und Wahrheit 7 Jahre älter sind, und zwar in Zahlen wie auch im echten Leben. Bitten Sie sie um Entschuldigung und um Nachsicht für diese kurzsichtige Aktion. Seien Sie dabei entwaffnend ehrlich. Mehr können Sie nicht tun. Wenn Sie abwarten und sie vor vollendete Tatsachen stellen, dann wird Sie Ihnen das sicher Übelnehmen, darum müssen Sie sie unbedingt vorwarnen! Wenn die Frau Sie mag – und nicht 13 Jahre jünger als Ihr geschummeltes Alter ist – dann wird sie darüber hinwegsehen. Wenn nicht, haben Sie was draus gelernt.

Übrigens, ich verstehe den Rummel ums Alter nicht, ich verstand ihn noch nie. Aber vielleicht bin ich dafür einfach noch zu jung – wer weiss?

Masel tov, Ihre Kafi.

24. Januar 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Frau Freitag, sie beantworten in ihrem blog kritische fragen pragmatisch und ich habe genau so eine. ich habe einen wenige monate alten sohn. er war ein wunschkind und wir haben uns so auf ihn gefreut!!! jetzt ist er da und ich habe keinerlei positive gefühle, ich mach mir grosse vorwürfe und laufe den ganzen tag mit einem schlechten gewissen herum. bitte geben sie mir einen rat. danke! steffi, 42

Liebe Steffi

Ich gratuliere Ihnen von Herzen zu Ihrem Wunschkind und zum Mut, mir diese Frage zu stellen. Bereits an anderer Stelle in diesem Blog habe ich gesagt, wie schwierig es ist, ehrliche Mütter für solche Gespräche zu finden und darum fühlt man sich dann auch so furchtbar allein damit.

Jetzt haben Sie sich wahrscheinlich einige Jahre auf dieses Kindli gefreut und nun ist es da und sie warten auf die ganz grossen Gefühle. Das kann ich gut verstehen, ist doch ein Kind in erster Linie mal ein grosser Schock und da kann es noch so geplant und erwünscht sein. Die erste Zeit mit einem Kind ist die reinste Überforderung und es gilt, diese zu überstehen. In dieser Zeit müssen Sie ganz vieles. Sie müssen Ihr Kind regelmässig füttern, wickeln und dafür schauen, dass es seinen Schlaf bekommt. Und Sie den ihren auch. Aber was Sie NICHT müssen, ist ihr Kind lieben. Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber es ist so. Niemand kann von Ihnen erwarten, dass Sie diesem Bündel Mensch auf Kommando Gefühle entgegenbringen, das wäre ja noch schöner! Sie müssen soviel in dieser Zeit und es gibt vieles, was Sie nicht dürfen. Sie dürfen Ihr Kind nicht irgendwo vergessen, dürfen den Kinderwagen nicht absichtlich im Tram stehen lassen, Sie dürfen es niemals schütteln und sollten es nicht an die Wand kleben. Das gilt auch für ihren Mann. Bis aufs Schütteln, weil das hat sich nach meiner Erfahrung bei Männern immer gut bewährt. Wenn Sie diese Regeln einhalten und sich selber gut schauen, dann wird sich die Liebe irgendwann anschleichen. Sie werden es gar nicht merken, aber eines Tages wird sie einfach da sein. Liebe lässt sich nicht zwingen und versteckt sich, wenn man sie herbeordert. Darum lassen Sie es besser bleiben und konzentrieren Sie sich auf Ihr eigenes Seelenwohl.

Ich hatte vor nicht allzu langer Zeit mal ein Kätzchen. Ich hatte es für meinen Sohn gekauft, in einer Zeit als es viele Veränderungen in unserem Leben gab. Das Kätzchen lebte plötzlich mit und bei uns ich konnte ihm nicht viel abgewinnen. Es ärgerte mich, weil es mir den ganzen Tag nachlief und es weckte mich nachts immer, weil es spielen wollte. Ich hatte viel Aufwand mit ihm weil ein Kätzchen in einer Stadtwohnung eine mässig gute Idee ist. Aber mein Sohn liebte es heiss und innig. Das wollte ich auch, aber es passierte nicht. Doch das Kätzchen liebte mich. Vollkommen unbeeindruckt, was ich dafür empfand. Ich war der Mensch, der das Tierchen fütterte und dafür sorgte, dass das Katzenklo immer sauber war. Dafür liebte es mich. Und irgendwann, ich kann selber nicht sagen, wie es geschah, da freute ich mich, wenn ich nach Hause kam und es an der Tür auf mich wartete. Ich genoss es, wenn es mir auf den Beinen sass und schnurrte und ich vermisste es, wenn es nachts woanders schlief. Ich liebte es. Auf einmal und vollkommen unerwartet. Weil es immer da war und weil es mich liebte.

Und wenn der Vergleich mit einem Kätzchen vielleicht auch etwas hinkt, so ist er eben doch stimmig. Auch Ihr Kind liebt Sie, egal was Sie tun. Es ist abhängig von Ihnen und darum müssen Sie gut dafür sorgen. Lassen Sie sich Zeit. Setzen Sie sich nicht selber unter Druck, das tun die andern schon genug. Seien Sie lieb zu sich selber. Und schlucken Sie viel Omega 3, das hilft. Ich kann mich zwar nicht mehr erinnern, was genau es macht, aber es bringt das verstörte Hirn von Müttern wieder in Ordnung. Der Rest ergibt sich von selber, glauben Sie mir.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles Liebe.

Ihre Kafi.

23. Januar 2012 1 Kommentar

Liebe Frau Freitag, Auf was soll ich hören wenn es um die komplizierte Sache, die Liebe, geht? Mein Herz sagt ja, mein Kopf sagt nein und sehr oft auch umgekehrt. Ich denke, auf meine inneren Organe ist zur Zeit kein Verlass, können sie mir weiterhelfen?, Camille F, 40

Meine Liebe Frau F.

Was Sie mir da beschreiben, kommt mir sehr bekannt vor!  Aber ich darf zu Ihrer Beruhigung sagen, dass Sie noch mit einem blauen Auge davongekommen sind. Ihr Konflikt spielt sich ab zwischen Ihrem Herzen und Ihrem Verstand und es ist also eine direktes Duell. Was denken Sie, wie laut die interne Debatte ausfällt, wenn man, wie ich zusätzlich mit zwei Seelen, die ach! in der Brust wohnen, ausgestattet ist und der Kopf sich überdies in zwei Unterbezirke aufteilt? Die Linke Hirnhälfte, die sich allem analytisch und systematisch annähert und immer nach einer rationalen Lösung sucht, während die Rechte sich bedingungslos in Gefühlen suhlen will und ihre Erfüllung in der Verschmelzung mit dem Universum sucht? Dass es darüber hinaus andere Organe gibt, die sich hier und da melden und ihre Bedürfnisse auf libidinöse Art und Weise kundtun, macht das ganze ja auch nicht gerade einfacher. Und von den zyklusbedingten Stimmungsschwankungen will ich gar nicht erst reden!

Auch ich habe mich die letzten Wochen, ja Monate mit dem Thema der inneren Zerrissen- und Unstetigkeit auseinandergesetzt und nach einem kompassgleichen Patentrezept gesucht, welches mir solche Entscheidungen abnehmen könnte. Ich habe Münzen geworfen, die ich danach nicht mehr wiederfand, und weswegen ich meine Wäsche nicht machen konnte. Ich habe einen mexikanischen Schrein aufgestellt und dem Voodoozauber vertraut. Aber Sie werden mir recht geben, dass es sich bei diesen verzweifelten Bemühungen um abergläubischen Hokuspokus handelt und es nicht sein kann, dass reife und entwickelte Frauen in unserem Alter sich auf solcherlei verlassen! Wir wollen gradlinige Gewissheit ohne Bedenken! Wir wollen Klarheit ohne Zweifel! Wir wollen Umsetzungskraft ohne Zögern! Wir wollen Antworten!

Ich habe überall danach gesucht. Ich habe mich in Kirchen gesetzt und das Gespräch mit dem örtlichen Rabbi gesucht. Ich habe Berge erklommen und bin ich Höhlen hinabgestiegen. Ich habe in der Ruhe der Meditation auf meine innere Stimme gelauscht und auf die flüsternde des Barkeepers der Kronenhallenbar. Nirgends wurde ich fündig. Ich wollte bereits aufgeben, da stolperte ich wie zufällig im iPhone AppStore über den Mondkalender für lächerliche 4 Franken. Ich lud diesen herunter und mit ihm die Auskunft über alle meine offenen Fragen.

Seither weiss ich, wann der richtige Moment ist um Bekanntschaften zu schliessen. Ich weiss, wann der ideale Zeitpunkt ist, einen Komposthaufen anzulegen und wann ich besser auf die Bekämpfung von unterirdischem Ungeziefer verzichte. Wo ich früher planlos in den Tag gelebt und kopflos Entscheidungen getroffen habe, begegne ich heute dem Leben mit Struktur und klarer Zielsetzung. Wo ich früher meinen primitiven Launen nachgegeben und vollkommen überstürzt und ohne Hinterfragen meine Haare gewaschen, oder meine Beine rasiert habe, plane ich heute meinen Monat mit grosser Sorgfalt und beweise auch mal den Mut, zwei Wochen mit unrasierten Beinen und ungewaschenem Haar herumzulaufen. Was Ihnen auf den ersten Blick vielleicht trivial und unfrei vorkommen mag, zeigt auf den zweiten eine haltgebendes und kraftspendendes Gefüge, in welchem sie sich entfalten und entwickeln können.

Stellen Sie sich nur einmal vor, Sie begegnen morgen an der Bushaltestelle ihrem absoluten Traummann, der sie zu einem Kaffee einladen möchte. Ein Blick in ihren Mondkalender und in ihre Achselhöhlen wird Ihnen Gewissheit bringen und ihnen den Mut und die Stärke geben, besonnen und nachhaltig darauf zu reagieren. Vorbei sind die Zeiten, in denen sie sich dem inneren Disput zwischen hoch entwickelter Ratio und niederen Instinkten unterordnen mussten. Vorbei sind die Zeiten, in denen es weder ein klares ‘Nein’, noch ein überzeugtes ‘Ja’ gab.

Laden Sie noch heute den umfassenden Mondkalender auf Ihr Handy und starten Sie mit viel Zuversicht in die neue Woche!

Recht herzlich, Ihre Kafi!

21. Januar 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Frau Freitag, mein Sohn Nr. 1 (5 Jahre) ist Soundmanager und spielt zur Ouvertüre Yello – Planet Dada (muss ich mir hier schon Sorge machen? Sohn Nr. 2 (3 Jahre) ist der Kasperlispieler: Handlung: Schlägereien. Habe ich als Mutter versagt? Sollte ich nun auch einen Mamablog schreiben oder warten bis meine Jungs einen Blog über ihre Mutter ins Internet stellen mit dem Titel: Todo Madre mi sobre, oder Madre todo and sober? Von Mutter zu Mutter, bitte helfen sie mir. Danke. Jessele, 41

Liebe Jessele

Sie haben mit Abstand von zwei Jahren zwei Söhne in die Welt gestellt, die sich bereits sehr intensiv mit Kultur beschäftigen und fragen mich, ob sie als Mutter versagt haben und sich Sorgen müssen machen.

Natürlich müssen Sie sich Sorgen machen! Aber erst, wenn der Grosse anfängt, weisse Sportsocken über die Hosenbeine zu stülpen um damit anzukündigen, dass er später einmal Kurator des Dada-Hauses in Zürich werden will. Dies können Sie massgeblich steuern, indem sie ausschliesslich schwarze Sportsocken kaufen.

Was den Kleinen betrifft würde ich abwarten und beobachten, ob es bei banalen Schlägereien bleibt oder ob er sich dabei als Airline-Erben ausgibt, die Szenen in einem gewissen “Platinum-Room” spielen und er anfängt, den Mädchen in der Nachbarschaft die Barbies zu klauen.

Bleiben Sie also auf der Hut. Grundsätzlich muss man sich um Männer immer Sorgen machen, und zwar ganz unabhängig davon, ob sie nun 3 oder 83 Jahre alt sind. Was den Blog betrifft würde ich noch heute damit beginnen. Wegen irgendwas müssen ihre Söhne sie später einmal hassen und so ein Blog macht es bedeutend einfacher, einen guten Grund dafür zu finden. Mein Sohn wird den Musikgeschmack seiner Mutter als Vorwand nehmen und ankreiden, dass er statt Planet Dada, griechischen Wein hören musste…

Von Mutter zu Mutter: einen schönen Gruss, Ihre Kafi!

18. Januar 2012 Hinterlasse einen Kommentar

liebe kafi (mist, jetzt musste ich mich tierisch zusammenreissen, dass ich nicht liebes kafi schrieb…) ich bin oft auf facebook und habe dort viele freunde (frauen mitgemeint). wie im richtigen leben ist es ziemlich aufwändig, diese bei der stange zu halten. das lehrbuch für social-media besagt, dass man deswegen immer wieder fragen stellen sollte. mit welchen fragen kriege ich möglichst viele antworten? (oder wenigstens möglichst viele likes?) ich weiss, dass man für diese infos bei social-media-beratern viel kohle abdrücken muss. dir ein beratungshonorar zu überweisen ist mir jedoch zu banal. als gegenleistung würde ich jede frage, die du mir empfiehlst, bei mir auf facebook stellen und parallel dazu auf dein blog verweisen (du musst wissen; ich habe dort wirklich viele freunde…, frauen mitgemeint…) Filipp Maier, 44

Lieber Herr Maier

Fragen Sie einfach: “Wollen Sie ein Kind von mir?”

Ich kenne viele Frauen, die gerne ein Kind hätten und demzufolge werden Sie mit Bestimmtheit einige “likes” von Frauen eintüten und darum geht es ja, wenn ich Ihre Frage richtig verstanden habe.

Herzlich, Ihre Kafi

P.S. Sie sind nicht oft auf Facebook. Sie sind IMMER auf Facebook.

17. Januar 2012 1 Kommentar

Guten Abend Frau Freitag. Ich habe ein Problem: Ich weiss alles besser. Jetzt nicht so, wie Sie denken (sehen Sie, das weiss ich auch!), sondern ganz tatsächlich und wahrhaftig: ich weiss wirklich alles besser. Sagen wir, ich sitze in einer Runde und höre den Redenden zu: Ich weiss es besser. Oder ich lese Nachrichten, sehe die Tagesschau, stöbere durch facebook-Nachrichten: Ich weiss es besser. Ja, selbst wenn ich mir Kant oder Schopenhauer vornehme: Ich weiss es besser. Letztere können mir immerhin ein Schmunzeln entlocken, Kant hat es gar geschafft mich einige Sekunden grübeln zu lassen – wie ein Computer der gerade rechnet. Aber heraus kommt nur: Ich weiss es besser. Glauben Sie aber nicht, mir sei langweilig, nur weil ich a priori oder a posteriori sowieso alles besser weiss. Das Verflixte ist nämlich: alles, was ich nicht weiss, gehört nicht zu ‘Allem’. Insofern ist mir jetzt garnicht mehr so ganz klar, was meine Eingangsfrage war. Aber ich weiss: da war was! Ihr Dr. Arthur Stein, 36

Lieber Herr Doktor Arthur Stein

Gehen Sie unter Kinder. Das wird Ihnen gut tun. Die sind nämlich gänzlich unbeeindruckt von Ihrer Omnipotenz und da können Sie mit Garantie noch was dazulernen.

Einen schönen Tag, Ihre Kafi.

17. Januar 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Ich bin 32 Jahre alt und habe im August eine Tochter geboren. In der Schwangerschaft habe ich ziemlich zugenommen und ich werde das Gewicht nicht so easy los. Meine Freundinnen, die gleichzeitig oder sogar später geboren haben, passen alle wieder in ihre alten Jeans und haben es auch sonst besser im Griff. Seit der Geburt haben mein Partner und ich kaum mehr Sex, die Lust ist irgendwie weg. Wenn ich mit meinen Freundinnen darüber rede habe ich das Gefühl, bei mir läuft alles schief. Haben Sie mir in einen Rat? Beatrice W., 32

Liebe Frau W.

Um es kurz zu machen: Ihre Freundinnen sind elende Schlampen.

Ich habe jetzt einen bald achtjährigen Sohn und ebensolange versuche ich dahinterzukommen, was mit Frauen geschieht, die Kinder bekommen. Sie mutieren, kaum ist die Nabelschnur durchtrennt, zu hinterhältigen Weibern, die nichts besseres wissen, als ihre ehrlichen Freundinnen zu belügen, dass sich die Balken biegen. Ich habe versucht, es damit zu erklären, dass diese Frauen aus einem ehrgeizigen Berufsumfeld kommen und das dort angelernte Verhalten nun auf den Spielplätzen und den Krabbeldecken dieser Welt weiter ausleben müssen. Ob ich damit richtig oder falsch liege, kann ich nicht beurteilen und es ist eigentlich auch egal. Die Tatsache ist nur leider die, dass nirgends mehr gelogen wird, als unter jungen Müttern. Da schlafen kürzlich geborene Babys wie von Zauberhand die ganze Nacht durch und die Mütter treiben es derweil zweimal täglich mit den dazugehörenden Supervätern stürmisch auf dem Küchentisch. Nur SIE tragen noch das Schwangerschaftsgewicht auf den Hüften und nur IHR Baby verlangt fünfmal die Nacht nach Aufmerksamkeit und einer Mahlzeit. Nur SIE wollen das Wort ‘Sex’ noch nicht mal laut aussprechen, geschweige es wirklich TUN und nur IHR Partner schläft abends erschöpft vor dem Fernseher ein, nachdem er Ihre schreiende Tochter eine Stunde lang wippend durch die Wohnung getragen hat.

Liebe Frau W., vergessen Sie bitte alles, was Ihnen diese Frauen weiszumachen versuchen. Ich kann Ihnen versichern, es sieht bei allen ungefähr gleich desaströs aus. Ein Kind schlägt wie eine Bombe in ein Leben ein und da können Sie noch so viele schlaue Ratgeber lesen. Was der Begriff 24/7 bedeutet, wissen Sie erst, wenn es soweit ist. Ich habe das grosse Glück, eine Handvoll Mütter in meinem Umfeld zu haben, die ebenso ehrlich mit dieser Tatsache umgehen, wie mit dem Umstand, dass man sich das Leben als Liebespaar hart zurückerkämpfen muss. Was denken Sie, woran es liegt, dass ein grosser Teil der Paare sich trennt, noch bevor das Kind 3 Jahre alt ist?

Und was das Gewicht angeht, da rate ich Ihnen zur Gelassenheit. Sie haben ein Kind geboren, dass in Ihrem Körper herangewachsen ist. Damit das möglich war, musste sich dieser stark verändern. Geben Sie ihm Zeit, sich zurückzuentwickeln. Ich rate Ihnen davon ab, im ersten Jahr nach der Geburt über eine Diät auch nur nachzudenken. Ihr Baby kostet Sie bestimmt Nerven wie Drahtseile und wenn Sie nicht an der Bushaltestelle einen Nervenzusammenbruch erleiden wollen, weil Ihnen keiner beim Einsteigen mit dem Kinderwagen hilft, dann müssen Sie essen. Ich kann mich erinnern, dass ich selber ein Jahr lang auf keine Waage gestanden bin und ich würde es wieder so tun.

Auf die Gefahr hin, dass ich mich höchst unbeliebt mache, aber wenn ich ein Kind wäre, würde ich eine zufriedene Mama in Kleidergrösse 42 einer nervös-gestressten in 36, deren Puls wegen der Einnahme von Appetitzüglern gefährlich rast, vorziehen. Und wenn ich ein halbwegs schlauer Partner wäre, ebenso. Machen Sie also einen Bogen um die perfekten Mütter und schauen Sie mal, was passiert, wenn Sie am Sandkasten genüsslich einen Käsequarkkuchen essen! Der Anblick der geifernden Möchtegernsupermodellmamas wird Sie für einiges entschädigen, versprochen!

Kopf hoch, alles wird gut! Herzlich, Ihre Kafi.

 

16. Januar 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Liebe Frau Freitag, Seit Beginn dieses Jahres plagt mich das schlechte Gewissen und ich komme einfach nicht ins Reine mit mir selbst. Wie Sie, betreibe auch ich ein Blog zusammen mit Amber Steele: klatschheftli.ch. Vielleicht haben Sie ja schon mal davon gehört. Wir sind dort sehr böse und machen uns lustig über unsere Stars. Dabei sind das Persönlichkeiten, die wirklich was erreicht haben und einen eminent wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leisten: z.B. als Vize Miss Schweiz, Music Star Teilnehmer, Ex-Mister-Schweiz-Kandidat, Moneygirl etc. Doch mein fortgeschrittenes Alter kommt mit Selbstzweifeln einher, Zweifel, ob es angebracht ist, seine Freizeit damit zu verbringen, sich der eigenen geistigen Befriedigung wegen über gesellschaftliche Würdeträger öffentlich lustig zu machen. Nicht mal mein Therapeut hat eine Antwort auf diese Frage. Sie sind wirklich meine letzte Hoffnung. Mit verzweifeltem Gruss, BJ Hyatt, 45

Lieber Herr Hyatt

Ich kann Sie gut verstehen. Und Sie haben recht, der Zweifel werden mit dem Alter nicht weniger und ich will mir gar nicht vorstellen, wie es sein wird, wenn wir beide mal richtig alt sind, Sie und ich. Aber bis dahin werde ich versuchen, mich mal ihrem hauptsächlichen Skrupel zu beschäftigen. Sie haben also ein schlechtes Gewissen weil Sie sich über die Würdenträger Bianca Bauer, Liza Andrea Kuster und Alena Gerber lustig machen. Ich musste erst ein paar Stunden Recherche einlegen um herauszufinden, wer diese Damen genau sind und erst bei näherem Hinschauen wurden dann auch mir der Umfang der jeweiligen Würden bewusst. Bei uns auf dem Land hiess das damals noch Gebrechen, aber die Zeiten ändern sich und damit wohl auch der Wortgebrauch.

Sie nehmen Sich also tagtäglich Zeit um über all diese Persönlichkeiten zu berichten und wenn ich es richtig verstehe, tun Sie dies auch noch ehrenamtlich! Ich habe meine Beziehungen mal spielen lassen und mich dafür stark gemacht, dass sich das ändert. Sie werden in den nächsten Tagen das Bundesverdienstkreuz im Briefkasten haben, der Wulff wollte es sogar persönlich vorbeibringen, aber ich habe ihm gesagt, er solle sich mal um seine eigentlichen Probleme kümmern und so wird es vermutlich per DHL angeliefert. Aber weil man von so einem Kreuz noch nicht gegessen hat, habe ich noch nebenher einen Antrag gestellt, dass die Filmförderung für 2012/2013 mal ausnahmsweise zu Ihnen anstatt in den Schweizer Film fliesst. Schliesslich bauen Sie die Stars erst richtig auf, die dann all die Rollen von Steini und Co. bekommen und das gehört einfach belohnt! Wenn ich den Florian Keller im letzten TagiMagi richtig verstanden habe, müsste das zu mutigeren Filmen führen und damit wäre ja dann allen gedient.

Bitte Herr Hyatt, überwinden Sie Ihre Zweifel! Bleiben Sie dran! Wir brauchen Sie! Nicht auszudenken, was mit all den Sven Epineys passieren würde, wenn klatschheftli.ch nicht mehr exisitieren würde!

Flehend, Ihre Kafi!

15. Januar 2012 1 Kommentar