Liebe Frau Freitag. Was tut man, wenn man sich im Büro langweilt, sich jedoch nicht vom Chef erwischen lassen will beim Betrachten der neusten Sauereien auf Facebook? Job wechseln ist keine Option - das Problem ist, dass halt wenig läuft. Vielen Dank für einige Inspirationen (Ihren Blog lese ich rauf und runter, das ist leider nicht tagfüllend). Lena S, 23

28. März 2012
3 comments

Liebe Lena

Was Sie mir da schreiben kenne ich nur zu gut. Zu wenig Arbeit grenzt an Folter und sollte von Amnesty International mal angegangen werden, ich werde das in die Wege leiten. Bis dahin müssen Sie die Zeit irgendwie totschlagen. Wie Sie vielleicht wissen habe ich früher auch diverse Bürojobs gehabt und manche waren furchtbar langweilig und das war zum Teil sogar noch vor der Internet-Ära und Facebook war zu der Zeit noch ein Album, in das man ein lustiges Passbild einklebte und seinen Lieblingsspruch reinschrieb. (Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heit'ren Stunden nur.) Da musste ich mir schon was einfallen lassen, damit mir nicht das Gesicht einschlief, das kann ich Ihnen sagen. Aber glücklicherweise stand in meinem Büro ein ganz anständiger Farbdrucker und ich verfügte über genügend kriminelle Energie, um mich im Fälschen von Ausweisen zu üben. Die Dauerparkkarte für den Zürcher Kreis 1 gelang mir leider nicht so gut. Aber die "Easy-Access-Karte", mit der ich umsonst die Expo 02 besuchen und dort bei den Pavillons an den kilometerlangen Schlangen vorbei schlendern konnte, um den seitlichen Bundesratseintritt zu passieren, die war nicht von schlechten Eltern. Darum erweiterte ich die Produktion und stellte eine Serie von 15 Pässen her und besuchte mit meiner ganzen Abteilung einen Tag lang die Landesausstellung. Selbstverständlich stellte ich meinem Arbeitgeber die Eintritte in Rechnung, schliesslich musste sich der Aufwand während meiner Arbeitszeit irgendwie auch lohnen.

Falls Sie diesbezüglich über kein adäquates Equipment verfügen können, sollten Sie sich wenigstens Zugang zur Bilanz oder Lohnbuchhaltung verschaffen. Sie können sich nicht vorstellen, wie viel Freude das Verschieben einiger wenigen Zahlen machen kann!

Nein, ernsthaft. Suchen Sie sich einen neuen Job. Das geht gar nicht! Sie sind zu jung um zu versauern und wie Sie vielleicht wissen, wird man heutzutage nicht mehr im gleichen Betrieb pensioniert, in welchem man seine Lehre gemacht hat. Also, weg da, aber subito!

Mit liebem Gruss, Ihre Kafi.

P.S. Wenn Sie sich nicht beim Betrachten der neusten Sauereien auf FB erwischen lassen möchten, dann schauen Sie sich doch einfach welche auf Youporn an.

Kommentare zu dieser Antwort

Philippe Wampfler (nicht überprüft)
28. März 2012

Auf die Gefahr hin, wieder ganz bieder zu erscheinen: »Zu wenig Arbeit« meint hier den Zustand, bezahlt zu werden, ohne viel tun zu müssen. Das in Zusammenhang mit Folter zu bringen, scheint mir hochgradig zynisch, und, eben, »unpolitisch«.

Kafi Freitag (nicht überprüft)
28. März 2012

Zeit absitzen in einem Büro, wo man nichts zu tun hat, ist sehr wohl Folter. Wenigstens für mich, die gerne arbeitet.

Liz (nicht überprüft)
22. Juni 2012

Allerdings ist das Folter im allerhöchsten Grad! Das hat gar nichts mit Zynismus zu tun. Und wenn man nicht aufpasst, findet die Langeweile sehr schnell einen Weg ins Privatleben und dann hat man den Schlamassel. Irgendjemand behüte mich davor, dass mir das jemals passieren sollte!