Liebe Kafi. Ich bin eine schreckliche Haushälterin und ich steh dazu (so halb).Ich wohne mit meiner Familie auf einem Bauernhof, bin aber nicht die klassische Bäuerin. Es käme mir nie in den Sinn, jeden Morgen die Bettwäsche rauszuhängen, es gibt Stellen die hab ich seit Monaten nicht mehr gesaugt, Wäsche mach ich nur wenn es keine mehr hat und dann leg ich sie zerknittert in den Schrank, Kühlschrank dauernd unordentlich... Haben Sie mir effiziente Haushaltstipps? Muriel, 34

07. Mai 2017
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Liebe Muriel

Nein. Habe ich nicht.
Während ich Ihnen diese Antwort schreibe, stapelt sich bei mir nämlich die saubere Wäsche in unzähligen geklauten IKEA Taschen und die Bettwäsche müsste ich auch endlich mal wieder wechseln, bevor mir der Putzmann wieder mit vorwurfsvollem Unter- Über- und Mittelton sagt, man sollte diese eigentlich wöchentlich wechseln. Und in allen Ecken sauber ist es auch nur, weil ich ebendiesem meinen Hightech-Kärcher in die Hand drücke, ansonsten hätte ich mit Sicherheit auch solch verwaiste Stellen in meiner Wohnung. Kurzum: ich bin eine Schlampe. Und ich stehe dazu.

Es ist nicht meiner Kernkompetenz, die Wohnung in Schuss zu halten. Das war es noch nie. Aber seit ich selbstständig bin und sehr viel arbeite, interessiert es mich noch weniger. Ihr Leben auf dem Hof mit Familie wird sicher mindestens so dicht sein und ich kann Ihnen sehr gut nachfühlen, wenn es tausend Dinge gibt, die Ihnen wichtiger sind.

Gerade gestern habe ich mit einer Topmanagerin telefoniert und mit Ihr über Ihren beruflichen Aufstieg gesprochen. Sie hat mir erzählt, dass die Jahre als alleinerziehende Mutter mit Kleinkind und Karriere wahnsinnig streng für sie waren. Dass sie aber gottlob die grosse Gabe hat, mit einem unperfekten Haushalt zu leben. So war es ihr möglich, die knappe Zeit malend oder spielend mit ihrer Tochter zu verbringen, anstatt Schubladen rauszuputzen. Sie hatte es wirklich als grosse Kernkompetenz hervorgehoben, keine perfekte Hausfrau zu sein! Und genau dort liegt meiner Meinung nach der Schlüssel zum Glück, liebe Muriel.

Wenn einem das Haushalten halbwegs liegt, dann geht es einem auch halbwegs flott von der Hand. Wenn nicht, dann nicht. Dann hat man die Wahl, sich daran aufzuhängen und seinen Fokus auf die ungeputzten Ecken zu legen oder aber, sich auf Anderes zu konzentrieren und damit zu leben. Ich habe mich dafür entscheiden, etwas mehr zu arbeiten und mir einen Putzmann zu leisten. Das können aber nicht alle, das weiss ich. Und ich konnte es auch nicht immer und habe darum auch lernen müssen, grosszügig mit mir zu sein. 

Ein perfekter Haushalt ist mit Sicherheit etwas Schönes. Aber wenn ich all die Frauen (und ja, es sind immer Frauen) in meinem Umfeld anschaue, die aus lauter Perfektionismus keine Wahl haben zwischen Putzen/Aufräumen und auf dem Sofa liegend Schundheftli lesen, dann finde ich es wüki alarmierend. Und noch alarmierender finde ich, dass ich sehr gut imstande bin, das Schundheftli zu lesen und dann selbst darin mit Haushaltstipps genötigt werde. Wo früher der Ratgeber für das perfekte Make-up (decken sie ihr Gesicht mit viel Foundation ab und schminken sie dann eine ungeschminkte natürliche Fresse darüber) und die Anleitung, wie ich zur perfekten Sexpartnerin werde (schnurren sie auch mal wie eine Katze und zeigen sie ihrem Partner beim Sex die Krallen) zu finden waren, sind heute zusätzlich grossartige Tipps, wie man auch noch zur Bree van de Kamp Kopie mutieren kann (sehen sie das Putzen als eine Art Fitness an und freuen sie sich darüber, ihren Liebsten am Abend gestählt in der blitzblanken Küche zu vernaschen), abgedruckt.

Darum nochmals liebe Muriel: Das Leben ist zu kurz, um sich mit dem Haushalt aufzuhalten. Es schläft sich in ungemachter Bettwäsche wunderbar und das Leben kann auch mit zerknitterter Wäsche erobert werden. 

Ganz herzlich, Ihre Kafi

 

 

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