Liebe Kafi. Vor ein paar Monaten habe ich mich selbstständig gemacht mit einer recht neuen Idee. Das Geschäft ist klein, aber fein und läuft gut an. Jetzt habe ich gestern Abend gesehen, dass eine recht nahe Bekannte aus dem Dorf (wir haben gleichaltrige Kinder) die Idee 1:1 kopiert. Und nicht nur das, sie nennt es auch sehr ähnlich und hat grosse Teile des Konzepts einfach abgeschrieben. Das entsetzt mich und ich weiss wirklich nicht, wie ich damit umgehen soll. Soll ich sie ansprechen? Danke. Stella, 32

03. Januar 2017
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Liebe Stella

Was Sie mir da beschreiben, kenne ich nur zu gut und ich musste etwas schmunzeln, als ich Ihre Frage gelesen habe. Es ist eine spannende Tatsache, dass es Menschen gibt, die sich nicht zu schade sind, dreist zu klauen. Was mich daran aber fast noch mehr fasziniert ist die Frage, ob die dann wirklich denken, man sei doof genug, dass man es nicht merkt. Oder ob es ihnen einfach egal ist. Ich weiss es leider auch nicht. Und vermutlich werde ich es auch nie herausfinden. Weil ich dem Thema keine Energie und keine Zeit schenke. Nicht der Bloggerin, die meinen "über mich" Text 1:1 geklaut hat und auch nicht dem Coach, der sich an meiner Coachingseite grosszügig bedient hat. Und schon gar nicht all den Frauen, die immer mal wieder in unserem Seminaren sitzen, mit dem Handy den Ton aufnehmen um dann zu Hause den Text abschreiben und eine Woche später damit an den Start gehen. Warum nicht, fragen Sie? Weil es zum einen nichts bringen würde, die jeweiligen Personen würden es eiskalt abstreiten. Und zum anderen, weil es so schon peinlich genug ist. Und zwar nicht für mich, sondern für die Copy-Cats, die selber keinen geraden Satz hinbringen und darum aufs Klauen angewiesen sind. Oft bin ich sogar von Mitleid erfüllt, weil es anscheinend eine grosse Gabe ist, eigene kreative Ideen zu haben und diese dann auch noch zu verwirklichen. Das ist nicht allen gegeben. Seien Sie also glücklich, dass Sie es können!

Sie brauchen sich auch sonst keine Gedanken darüber machen. Schlussendlich lässt sich vielleicht ein Text kopieren oder sogar ein Konzept. Aber die Energie eines Menschen und die Kraft, die hinter etwas Eigenem steht, lassen sich nicht kopieren. Und die Konsumenten sind nicht doof, Siedürfen darauf vertrauen, dass die für Sie richtige Kundschaft weiterhin den Weg zu Ihnen finden wird und alle die, die sich mit einem Abklatsch zufriedengeben, sind bei den Nachahmern eh besser aufgehoben. 

Und dann möchte ich Ihnen auch noch einen anderen Aspekt aufzeigen, der nicht weniger wichtig ist, liebe Stella. Die meisten unkreativen Menschen kopieren das, was Ihnen selber gut gefällt. Dass man nicht fähig ist, was Eigenes zu machen bedeutet nicht, dass man nicht fähig ist, was Gutes zu erkennen. In diesem Sinne dürfen Sie die Aktion der Kollegin als grosses Kompliment annehmen. Ich musste das auch erst lernen, aber inzwischen gelingt es mir gut, das kopiert werden aus dieser Perspektive zu sehen. Es bedeutet nämlich, dass man so sein will, wie Sie oder zumindest das Gleiche erreichen möchte. Und etwas Schmeichelhafteres als das gibt es nun mal fast kaum!

Ausserdem und das geht jetzt nochmals in Richtung Energie; ich habe schon mit namhaften UnternehmerInnen über dieses Thema gesprochen und ich fand eine Aussage höchst bemerkenswert. Eine Firma, die sehr oft kopiert wird, hat sich ganz bewusst dagegen entschieden, rechtliche Schritte gegen Kopierer zu unternehmen. Nicht, weil sie diese nicht gewinnen würde, die rechtliche Lage ist hier relativ klar. Sondern vielmehr, weil es eine Energieverschwendung in eine Richtung sei, die einem nichts bringe. Das Geld und die Kraft, die man für solche Aktionen aufbringen müsse, stecke man stattdessen lieber in Produktinnovationen und sei damit der hinterher hechelnden Meute immer einen Schritt voraus. Wenn nicht sogar mehr. 

Machen Sie es genau so! Seien Sie besser als die anderen und entwicklen Sie sich stetig weiter.  

Ganz herzlich, Ihre Kafi
 

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