Sehr geehrte Frau Freitag. Zu Weihnachten wollte ich der Assistentin meines CEO eine Chanel Handtasche schenken. Aus Gründen der Corp. Governance konnte Sie mein Geschenk nicht annehmen. Jetzt starte ich gefrustet ins 2012. Ich pflege es, teure Geschenke zu machen. Nicht, dass noch jemand meint, ich könne mir so was nicht leisten. Dieser Einstellung wegen, bin ich schon oft kritisiert worden. Ist es wirklich ein Verstoss gegen Stil&Etikette einer tollen Frau, einfach so und ohne Hintergedanken, eine Chanel Tasche zu kaufen? Wenn nein, wollen Sie die Tasche? F. M, 26

29. Dezember 2011
7 comments

Mein lieber Herr M

Vielen Dank für Ihre Frage. Sie sind ein bemerkenswerter Mann, das muss ich zugeben. Mit Ihren jugendlichen 26 Jahren sind Sie bereits im Besitze eines CEO's und des nötigen Kleingelds um dessen Assistentin mit einem hübschen Markentäschli zu beschenken. Hut ab. Und statt dass man Sie dafür adäquat bewundert, werden Sie auch noch kritisiert. Das ist nun aber wirklich nicht fair. Da arbeitet man das ganze Jahr eisern und nimmt viele Entbehrungen auf sich. Hat kaum Zeit, das hart verdiente Geld auszugeben und dann will man mal was Nettes tun und dann das! Ich kann Ihren Frust sehr gut verstehen. Ich bin selber im dichtesten Gedränge kurz vor Weihnachten in die Sihlpost gestiefelt und habe dort jedem Postangestellten eine Flasche Pernod Ricard überreicht und den Damen zusätzlich noch ein Cartier-Armketteli. Und selbstver- ständlich auch ohne jegliche Hintergedanken. Was kann ich denn dafür, dass die Beschenkten danach hinter ihren Schaltern in Tränen ausbrachen und die Postkunden für mich Spalier standen und applaudierten. Seither muss ich keine Zettelchen mehr ziehen und stundenlang darauf warten, eine Briefmarke und eine Rolle Gebührenabfallsäcke kaufen zu dürfen. Aber ich habe es nicht deswegen getan, wirklich nicht. Einfach so.

Was können wir daraus lernen? Die Post hat weniger strenge Corporate Governance-Regeln und es lohnt sich, flächendeckend zu schenken. Ich bin sicher, Sie haben in ihrem Unternehmen nicht nur eine Assistentin, weil sonst bräuchte es kaum einen CEO. Seien Sie darum nächstes Jahr noch ein klitzekleinwenig grosszügiger und beschenken Sie all Ihre Mitarbeiter gleichermassen. Und vergessen Sie den Pöstler nicht, der Erfolg Ihres Unternehmens hängt auch davon ab, dass der Postversand zuverlässig funktioniert.

Zum Thema Stil und Etikette darf ich Sie höflich bitten, etwas weiter nach unten zu scrollen. Da äussere ich mich zu Damen, die mit Etiketten herumlaufen. Und nein danke, ich möchte die Tasche auch nicht. Meine Corporate Governance Regeln sind zwar äusserst lasch und erlauben beinahe alles, aber ich habe kein Faible für Taschen, tut mir sehr leid. Ich weiss, dass dieses Handicap bei einer Frau meines Alters pathologische Züge hat und bin deswegen seit Jahren in Behandlung. Sie sehen selber, ich habe es auch nicht leicht.

Kopf hoch und einen guten Rutsch in ein äusserst erfolgreiches 2012!

Ihre Kafi.

Kommentare zu dieser Antwort

Mirja Kronenberg (nicht überprüft)
29. Dezember 2011

Ich nehme die Tasche gerne. Sofern sie nicht zu viel Klunker dran hat, was ich leider bei Ihrer Stillosigkeit befürchte. Da ich aber tiefe Stillosigkeit mit "mich an die Tasche schmeissen" und öffentlichem kritisieren beweise, könnte es passen.

Herzlichen Dank.
M.K., 34

Herr M. (nicht überprüft)
31. Dezember 2011

Sehr geehrte Frau Freitag
Besten Dank für Ihre prompte Antwort, das geht ja zügig bei Ihnen.
Sie haben Recht, der Erfolg eines Unternehmens hängt vom Engagement der Mitarbeiter ab. Dieses wiederum ist abhängig von der Wertschätzung, die die Mitarbeitenden erfahren. Mit ein Grund, weshalb die Sklavenarbeit nicht rentabel war und deshalb abgeschafft wurde. Keine Sorge, dem Pöstler gehts gut.
Geschenke an die Belegschaft sind immer mit einem Hintergedanken verbunden(win-win Situation).
Eine Tasche jedoch ist ein persönliches Geschenk, ein Geschenk von Herzen, um jemandem eine Freude zu machen. Ohne Hintergedanken.
Ihren Link zum Eintrag weiter unten habe ich irgendwie nicht verstanden. Also, dass es nicht peinlich ist, mit einem Preisschild herumzulaufen, wenn das Blüsli entsprechend gekostet hat, kann ich mir denken, beantwortet aber meine Frage nicht.
Bis jetzt habe ich bei meinen Geschenken das Preisschild immer entfernt, sie meinen aber doch nicht etwa, dass ich das lassen soll oder?

Herr M. (nicht überprüft)
31. Dezember 2011

An meinen Geschenken sind ausreichend Klunker dran, der Wert ist somit auch ohne Preisschild ersichtlich.
Die meisten Assistentinnen sind jedoch zu jung, um ein solches Geschenk eines wahren Gentleman schätzen zu wissen. Die Auswahl ist somit beschränkt.
Aber lassen Sie doch Frau Kronenberg meine Email Adresse zu kommen, sie soll sich bei mir melden, ich arrangiere dann die Taschenübergabe.

Mirja Kronenberg (nicht überprüft)
07. Januar 2012

@ Herr M.

Von den Ferien zurück und keine Kontaktangabe in meiner Mailbox. Frau Freitag scheint die Therapie begonnen zu haben und will sich die Tasche doch noch unter den Nagel reissen.

Freundliche Grüsse
M.K.

eimac (nicht überprüft)
11. Mai 2012

lieber Herr M.

tasche hin oder her, ich - und das heisst nicht viel - finde es nach wie vor, sehr lobenswert, wenn es zu einem 'geschenk ohne hintergedanken' kommt. zugegebenermasse sollten geschenke im sinne des sozialisten gedankengut verteilt sein: geschenke für alle oder keinen. ich vermute ganz stark, dass die beschenkte dame das geschenk abgewiesen hat mit der 'corporate etc.' begründung, jedoch Ihnen eher den korb gegeben hat, weil sie den 'hintergedanken' erahnt hat. falls Sie, Herr M., bestimmte gedanken haben mit bezug zu mit frau chanel-tasche, sollten Sie feiner herantreten. entschuldigen Sie mehr wie tausend mal, wenn ich mit meiner vermutung gänzlich daneben liege. abschliessend noche einen tipp meiner seite für die weihnachtliche saison 2012: beschenken sie alle frauen mit 'kölsch wasser' bezw. 4711 und die chanel-taschen-dame vielleicht mit etwas was feiner schmöckt. somit machen Sie einen nuancierten, aber merkbaren unterschied. Ihre - von mir vermuteten - absichten könnten damit vielleicht fruchten. aber nur vielleicht. alles gute wünscht eine amüsierte leserin

Yvonne Huber (nicht überprüft)
13. Juli 2015

Die Leserin zuletzt hatte ein guten Riecher...
Nach letzten Gerüchten hat die Chanel Tasche doch noch erfolgreich zum Ziel geführt: F.M. hatte anschliessend eine Liäson mit M.K.