Liebe Kafi, ich bin seit fast 20 Jahre mit meinem Mann zusammen. Wir haben Kinder, ein Haus mit allem drum und dran. Es könnte nicht besser sein. Aber ich liebe ihn einfach nicht mehr. Irgendwann hat es einfach aufgehört, das Gefühl der Liebe. Ich bin jedoch etwas in der Zwickmühle. Wir haben nämlich immer noch unglaublich guten Sex, nicht allzuoft, aber saugut. Der Sex war von Anfang an gut und ist es immer noch. Soll ich ihn verlassen und darauf hoffen, einen Sexgott zu finden, den ich liebe? Melissa, 45

21. Juli 2017
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Liebe Melissa

Es ist etwas vom Einfachsten, einen Sexgott zu finden. Ich hatte einige. Zumindest die ersten paar Monate, danach sind sich die meisten zu hundsgewöhnlichen Liebhabern mutiert. Einen Menschen zu finden, mit dem es nach knapp 20 Jahren noch toll im Bett ist, ist da wesentlich anspruchsvoller, meine Liebe. Wenn nicht fast unmöglich. Sie haben also ein saumässiges Glück!

Mich interessiert aber was ganz anderes: Was verstehen Sie eigentlich unter Liebe? Suchen Sie nach der Verliebtheit, die am Anfang vermutlich mal da war? Diese Gefühle verändern sich mit der Zeit, der wunderbar hirnlose Zustand hält selten länger als 1.5 Jahre an. Danach folgt ein Zustand des Vertrauens und der stärkeren Bindung. Nicht mehr so aufregend, dafür aufgehobener. In einer langen Zeit wie Ihren 20 Jahren wird sich die Definition von Liebe vermutlich weitere 100 Mal verändert haben. Was ist der momentane Zustand, was gibt Ihnen die Beziehung?

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es ausschliesslich guter Sex ist. Denn der baut meistens auf gegenseitiges Vertrauen und/oder auf Anziehung oder sonst was. Aber selten auf gar nix. Also finden Sie raus, was es ist. Kann es sein, dass Sie sich schon so sehr an die gegenseitige Liebe gewöhnt haben, dass Sie dafür blind geworden sind und sie Ihnen gar nicht mehr bewusst ist?

Ganz herzlich, Ihre Kafi

 

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