Liebe Frau Freitag, three in a row.... Mein Freund hat nach zwei Jahren die Beziehung beendet. Passiert mir jetzt schon zum dritten Mal, meine Beziehungen laufen immer nach dem gleichen Muster ab: Begeisterung, alles passt super, dann „Alltagsliebe“, welche gut und schön ist und dann werde ich langsam unzufrieden, will das, was nicht erfüllt wird, werde zickig. Ich weiss nicht, warum ich das Muster nicht durchbrechen kann. Ich will es, aber ich schaffe es nicht. Was soll ich tun? Daniela, 44

04. Januar 2018
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Liebe Daniela

Was Sie mir da schreiben ist weit verbreitet. Sie erleben es in Beziehungen, andere im Job oder sonstwo im Leben. Alles wiederholt sich ständig, man befindet sich in einer einzigen Schleife der festgelegten Reihenfolge und kommt nicht vorwärts. Am Anfang ist es spannend und neu, man ist glücklich und froh. Dann plötzlich schleicht sich das alte Gefühl ein. Man steht vor einer angeblichen Entscheidung und wenn man mutig ist, dann geht man und sucht sich neues Glück. Das ist sehr en vogue, ich weiss. Aber ich halte dennoch wenig davon. 

Ich bin ein grosser Fan von Mut und ich bin ein grosser Fan von Veränderung. Aber hier sind die beiden nicht zielführend. Weil das Problem nicht im Aussen liegt, sondern in Ihnen drin. Sie können noch 427 Mal in eine neue Beziehung starten, Sie werden im Grossen und Ganzen immer wieder das Gleiche erleben. 

Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Unser Körper und unser Gehirn sucht immer wieder das Bekannte. Wenn Sie sich nun mit einem neuen Mann zusammentun, kann das alte Muster ein paar Monate ausgehebelt werden, aber es kommt zuverlässig und ziemlich pünktlich wieder zurück. Weil Ihr Körper süchtig ist nach der Emotion, die er am besten kennt und das ist die Unzufriedenheit. Es klingt unlogisch, dass man nach etwas negativem süchtig ist, ich weiss. Aber unser System unterscheidet nicht zwischen gut und schlecht, es sehnt sich einfach nach dem, was es schon oft erlebt hat. Also nach der Vergangenheit. 

Unsere Gefühlswelt dreht sich immer um die Vergangenheit. Wir durchleben nur Emotionen, die wir bereits kennen. Wir denken an etwas bereits erlebtes und spüren dann die dazugehörigen Gefühle. Diese wecken erneut bereits erlebte Erinnerungen, welche wieder Emotionen nach sich ziehn. Das alles geschieht in der Vergangenheit. Immer. Egal wen Sie als Gegenüber haben, die Gefühle werden früher oder später die Alten sein. Weil Sie keine anderen zur Verfügung haben. 

Wenn Sie aus diesem Verhaltensmuster aussteigen wollen, dann liegt es an Ihnen allein, dies zu tun. Man braucht dafür nicht den Mann zu wechseln, nur das eigene Denkmuster. Natürlich habe ich kapiert, dass Sie verlassen wurden und die Beziehung nicht aus freiem Willen beendet haben. Aber eigentlich haben Sie das mit Ihrem Verhalten eben doch. Sie haben es provoziert, dass man Sie verlässt. Sie haben es unbewusst gesucht, gewollt und bekommen. Klingt pervers? Ja, ist es auch. Aber dennoch weit verbreitet und menschlich. Es ist ein bewusster Akt, sich von alten Emotionen und Erfahrungen zu verabschieden. Es passiert nicht von selber, Sie müssen es wollen und Sie müssen es tun.

Hören Sie damit auf, sich in der Vergangenheit und alten Emotionen zu wälzen! Kommen Sie in die Gegenwart, denken Sie in die Zukunft! Wie würden Sie sich gern fühlen in der Beziehung? Welcher Mensch wären Sie gern, anstelle der verlassenen und zickigen Daniela? Getrauen Sie sich, in die Richtung zu denken, die Sie leben möchten. Spüren Sie Emotionen, die Sie zuvor noch nie erlebt haben, indem Sie sich Situationen ausmalen, die Sie noch nicht kennen. Stellen Sie sich vor, wie es sich anfühlen würde, wenn eine Beziehung auch nach etlichen Jahren noch lebendig und bereichernd wäre. Was würde das bei Ihnen auslösen? Baden Sie in diesem Hochgefühl. Wenn es denn eines ist...

Wenn ich in meiner Praxis mit Menschen an ähnlichen Themen arbeite, dann merke ich schnell, dass eine grosse Angst vor Liebe besteht. Man wünscht sich zwar eine erfüllende Beziehung, aber man tut im Aussen alles, um genau diese zu sabotieren. Weil man nicht daran glaubt, wirklich liebenswert zu sein. Wenn Sie dort arbeiten und diese beschränkenden Glaubenssätze auflösen können, dann steht einer glücklichen Beziehung nichts im Weg. Es lohnt sich, wenn Sie diesen Prozess durchlaufen, bevor Sie sich in die Arme des nächsten Mannes stürzen. 

Mit herzlichem Gruss, Ihre Kafi 

 

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