Mir ist vor kurzem etwas extrem peinliches passiert. Ich war in meinem Lieblingsrestaurant zum Abendessen und am Ende des Abends hat mir der Kellner gesagt, dass ich das Preisschild von der Bluse am Rücken habe. Ich bin dann sofort nach Hause und seither nie mehr dorthin gegangen. Ich weiss nicht, wie ich mich jetzt verhalten soll. Was raten Sie mir? Regula, 23

28. Dezember 2011
4 comments

Liebe Regula

Als ich Ihre Frage gelesen habe, musste ich sehr herzhaft lachen. Ich hoffe, Sie verzeihen mir das. Ich habe mich nicht etwa über Sie und Ihr Erlebnis amüsiert , sondern über die Tatsache, dass ich in meinem Repertoire unzählige solcher Geschichten habe! Und dann habe ich auch noch das riesengrosse Glück, Freundinnen zu haben, die mir in regelmässigen Abständen ähnliche Schauergeschichten erzählen. Und wissen Sie was, ich liebe solche Lapsus! Sie passieren mir häufig und ich möchte keine dieser Stories missen, sie sind ein unschätzbarer Quell der nachhaltigen Freude. Wirklich. Das wissen Sie jetzt vielleicht noch nicht zu schätzen, aber mit etwas zeitlicher Distanz werden sie drüberstehen, glauben Sie mir.

Sie befinden sich mit diesem Preisschild-Fauxpas im mittleren Anfängerbereich. So sind wir alle gestartet. Mit etwas Übung werden Sie sich an anspruchsvollere Projekte wagen wie zum Beispiel ich, die zu den Anfangszeiten von Skype in Unterwäsche mit meinem Lehrer online-telefonierte und am Ende des Gesprächs in kindlicher Freude sagte: "Lustig, ich konnte Sie während dem ganzen Gespräch auf meinem Bildschirm sehen!". Die Begeisterung war schnell verflogen, als er antwortete "ich sie auch!" Oder als ich in meiner supertollen, superengen Acne-Jeans, in die ich eigentlich nur nach einer langwierigen Magen-Darmgrippe passe und die ich den Rest des Jahres ausschliesslich liegend zubekomme und die den nicht wirklich zuverlässig schliessenden Reissverschluss hinten statt vorne trägt, halbnackig durch ganz Zürich spazierte. Oder als ich mit einem Kleiderbügel, der an der Garderobe im Restaurant runtergerutscht und in der Kapuze meines Mantels hängengeblieben war, quer durch den Flughafen gewandelt bin und erst an der Gepäckkontrolle aufgehalten wurde, weil das glänzende Metall den Detektor zum Glühen brachte. Ach ich könnte Ihnen noch unzählige solcher Schwänke erzählen!

Sie sehen selber, es gibt noch viel zu tun. Geben Sie nicht auf, Sie sind auf gutem Wege. Mit der Zeit wird es weniger schmerzen, jedes weitere Fettnäpfchen stählt Ihre schwachen Nerven zusätzlich. Ziehen Sie Ihr neues Blüsli an und gehen Sie essen, in Ihr Lieblingsrestaurant! Und zwar jetzt, machen Sie das Sie rauskommen!

Ganz herzlich, Ihre Kafi.

Kommentare zu dieser Antwort

Die Gelbe (nicht überprüft)
30. April 2012

Verehrte Kafi

Mich nimmt wunder, ob nicht der Kellner, welcher auf das Preisschild aufmerksam machte, der viel grôssere Fettnäpfchentreter ist. Darf/soll/muss er das? Als fremde Person ( wobei Dienstleistungserbringer?)
Also ich finde: nein. Und Sie?
Herzlichst
Ihre Gelbe

Kafi Freitag (nicht überprüft)
11. Mai 2012

Nein, er darf nicht. Er muss!