Liebe Fanny
Endlich ist die grosse Beschneidungsdebatte aus Deutschland auf meinen Blog übergeschwappt und ich finde sie, ehrlich gesagt, übergeschnappt. Religiöse Beschneidungen, die eingebetet sind in Rituale und medizinisch seriös ausgeführt werden, sollten nicht unser aller Thema sein. Sonst kann man gleich die Religionen als solche abschaffen, was ich bei näherem Hindenken zwar auch nicht falsch fände.
Bei Ihrer Frage geht es aber um etwas ganz anderes. Sie wollen Ihren Sohn beschneiden lassen, weil Sie persönlich, wie Sie so schön schreiben, was gegen Vorhäute haben. Es kann aber nicht sein, dass wir an unseren gesunden Kindern rumschnippseln, damit diese in unser persönliches Schema passen. Das wäre ja, als würde man der Tochter mit 16 einen Silikonbusen implantieren lassen, weil der Vater und seine Kumpel auf grosse Möpse stehn.
Kurzum, ich finde es vollkommen daneben, wenn man so eine Entscheidung über den Kopf eines Kindes weg fällt. Und auch die hygienischen Gründe sind in Zentraleuropa nur ein alter Vorwand. Jeder Mann kann duschen gehn, bevor er mit einer Frau schläft und es wäre mir bedeutend lieber, wenn mein Sohn sich mit einem Gummi gegen Aids schützen würde, als mit einer abhanden gekommenen Vorhaut.
Und übrigens finde ich persönlich Vorhaut klasse. Es lässt sich viel einfacher wixen damit.
Lieben Gruss. Ihre Kafi.
Liebe Fanny
Du findest es ‘persönlich’ ‘ästhetischer’? Diese Vorstellung ist schon fast pervers! Dein Sohn ist noch klein und schon kommst du mit solchen Ideen daher. Wie geht das weiter? Lass ihn doch einfach in Ruhe oder such dir Hilfe!
Gruss
Böni
hallo fanny
find ich gut das ihr euren sohn beschneiden wollt.
lasst es am besten von nem privaten beschneider machen.
Am besten gleich in einem Termin noch ein Zungenpiercing für den Sohnemann, und ein Herz auf den Arm, ” i love mama”.
Irgendwie schon komisch: Wenn es eine Tochter wäre, unterläge die Handlung nach allgemeinem Verständnis der Strafnorm der Körperverletzung, die demnächst unnötigerweise, da bereits mitberücksichtigt, durch eine Spezialnorm betreffend die Verstümmelung der weiblichen Geschlechtsorgane ersetzt wird. Da es sich aber um einen Sohn handelt, glaubt die Mutter, dass sie an seinem Dings rumschnippeln kann.
Sollte der Sohnemann, wenn er dann Mann ist, selber das Bedürfnis zu diesem Schnitt im Schritt haben, kann er das aus eigenem Antrieb oder aufgrund des Druckes seiner Zukünftigen, angestachelt von deren Schwiegermutter, immer noch tun.
Oder kurz um: Noch alle Hamster im Rennen?
…ähnliche Reinheitsdebatten, um nicht zu sagen Reinheitswahnwitz hatten wir schon des Öfteren. Die Nächstliegende wohl in den 60ern.
Stillen igitt. Das war die Zeit der supersterilisierten Schoppenflaschen.
Die Geburten in dieser Zeit trendig in weissgekachelten Kliniken mit Superstargynäkologen. Wo dieser propere Gynäkologe das eben-erst-in-die Welt-gekommene-Wesen kopfüber hängen liess – und falls es nicht nach Kommando den ersten Atemzug in einer sterilen, kalten Umwelt tun wollte – es einen Klaps dafür auf den Po kriegte.
Nichts von Ankommen, in Ruhelassen, von gegenseitigem Beriechen von Mutter und Kind, nichts von Abwarten. Die männliche Geburtshilfe war auf ihrem Höhepunkt. Hebammen konnten dem schwer etwas entgegensetzen. Die Antwort darauf waren Sheila Kitzinger, Frédérick Leboyer, Geburtshäuser, die Leche Liga……
Alles hatte abgesichert, keimfrei und von einer grossen weiblichen Abwesenheit zu sein.
Keime, aller Art sind Mitbewohner all Unsereiner. Vorstellungen von ausrotten und dergleichen wuchsen, wachsen und wuchern vor allem in Köpfen von Vir-o-logen, die meistens der Kriegsführung aller Art sehr zugetan sind. Wichtig ist hier, wie so oft, der gute Mix, die Ausgewogenheit von Pilzen, Viren, Bakterien. Alle Gärtnerinnen aus Liebe wissen das und dies nicht seit gestern.
Wo käme frau hin, wenn sie sich ihrer weibliche Klugheit und Lebenskompetenz in voller Pracht und Blüte erinnerte?
emily-patrice