Guten Tag Fr. Freitag. Ich habe 3 Töchter, die jüngste ist 11 Jahre alt und etwas pummelig. Ich weiss nicht wie ich es ihr beibringen kann dass sie etwas auf ihr Gewicht achten muss. Es ist ihr einfach egal und sie will auch keinen Sport treiben. Ich fände es schön wenn sie Balett machen würde wie ich vor vielen Jahren und meine anderen Töchter auch. Aber sie hat keine Lust dazu und wird pummeliger. Soll ich angfangen Diät zu kochen oder mit ihr zu Weight Watchers gehen? Meine älteren Töchter und ich essen Carbfree aber für meinen Mann koche ich oft Pasta weil er das am liebsten mag. Meine 11 Jährige ist dann immer mit. Soll ich es ihr einfach verbieten? Sie wäre ein sehr hübsches Mädchen wenn das Gewicht nicht wäre. Das sage ich ihr auch oft und mache viele Komplimente für ihr Gesicht, verschweige dann aber auch nicht dass Sie schlanker noch viel hübscher wäre. Ihre beste Freundin ist noch fester als sie und isst viel Süsses Zuhause. Ich habe versucht dass sie das Mädchen nicht mehr so oft trifft und dafür mehr ihre schlanken Freundinnen zu uns nach Hause eingeladen. Aber es nützt alles nichts. Was soll ich tun? Silvia, 42.

1. November 2013

Liebe Silvia

Sie scheinen in einer echt vertrackten Situation zu stecken und ich würde Ihnen vor allem raten, viel mehr Härte und Disziplin an den Tag zu legen, was ihre Tochter betrifft. Es kann ja nicht sein, dass diese sich immer mehr Fett anfuttert und Sie so gar nichts dagegen unternehmen! Als erstes würde ich den Umgang mit diesem dicken Mädchen ganz verbieten und darauf achten, dass sich ihre Tochter nicht mit Menschen umgibt, die wahllos Süsses in sich reinstecken. Wir beide wissen bestens, wie schwer man das angesammelte Hüftpolster später wieder los wird, nicht wahr? Dann würde ich des weiteren die Pasta streichen. Natürlich ist es Anfangs etwas hart, wenn der Vater Pizza oder Pasta essen darf und man selber eher auf gedünstetes Gemüse oder Geflügel ausweichen muss, aber schliesslich schadet es ihrer Tochter auch nicht, wenn sie schon in jungen Jahren zu spüren bekommt, dass man einen schlanken Körper nur mit Verzicht halten kann.

Was das Ballett angeht, da würde ich die Tochter einfach anmelden, ohne gross mit ihr Rücksprache zu halten. Eine Elfjährige ist zweifellos noch nicht imstande, genügend nachhaltig und vorausschauend zu denkend und schliesslich sind Sie die Mutter. Scheuen Sie also nicht den Konflikt, Ihre Tochter wird es Ihnen später einmal danken! (Wenn Ballett nun gar nicht entspricht, weil ihre Tochter in kein Tutu mehr reinpasst, dann kann es selbstverständlich auch Kunstturnen sein. Im Gegensatz zum Ballett darf man dort auch schwarze Trikots tragen und die machen bekanntlich schlanker als das unvorteilhafte Rosa oder Weiss.)

Warum spornen Sie das gute Kind nicht zusätzlich noch mit einem Belohnungssystem an? Ich kann mich erinnern, dass der Richard Lugner seine etwas gar filigrane Katzi zum Zunehmen motiviert hat, indem er ihr pro zusätzliches Kilogramm Körpergewicht 1000 Euro in die knochigen Hände gedrückt hat. Wenn das in diese Richtung funktioniert, sollte es doch auch andersrum klappen! Schenken Sie der Kleinen zum Beispiel ein hübsches Kleid, in das sie im Moment noch nicht rein passt und hängen Sie es in ihrem Zimmer auf. Die richtigen Fotos am Kühlschrank sollen auch sehr bestärkend wirken!

Wenn Sie all diese Massnahmen strikte befolgen, bin ich überzeugt, dass Ihr kleines pummeliges Mädchen in spätestens 5 Jahren eine anständige Magersucht entwickelt, und nicht mehr mit dem lästigen Übergewicht zu kämpfen hat. Die Kraft fürs Ballett wird ihr dann zwar vermutlich fehlen, aber es ging bei dieser körperlichen Aktivität ja auch nicht wirklich ums Vergnügen, sondern viel mehr um die fehlende Selbstdisziplin. Und diese soll bei Essgestörten bekanntlich besonders hoch sein, darum ist es auch nicht weiter schlimm, wenn der Unterricht ausfallen muss. Ausfallen werden dann früher oder später leider auch die Haare, aber was bringt schon eine wallende Mähne, wenn der Körper darunter dick ist?

Eine anständige Esstörung und ein gestörtes Verhältnis zum eigenen Körper ist ein Geschenk auf Lebenszeit. Warum sollten Sie dieses Präsent erst in der Pubertät überreichen, wenn Sie es schon heute tun können? Bei einem von Natur aus gesunden Körper fordert es schon etwas Zeit und harte Arbeit, um ihn hinreichend kaputt zu schinden.

Ihnen und Ihren beiden schlanken Töchtern wünsche ich ein freudvolles Leben. Es muss ein gutes Gefühl sein, seinen Freundeskreis nach dem Körpergewicht auszusuchen und allabendlich Pasta zu kochen, die man danach nicht essen darf.

Was Ihre gut gemeinten Komplimente betrifft, sage ich nur soviel: Lassen Sie mal stecken. Es scheint ein weit verbreitetes Phänomen zu sein, dass man nur was Nettes sagen kann, wenn man es sogleich wieder mit etwas weniger Nettem abschwächt. Das erlebe ich auch immer wieder und es zeugt von einem kleinen Selbstbewusstsein. Wenn man Angst hat, sich kleiner zu machen, wenn man dem Gegenüber etwas Positives sagt und darum dem Kompliment noch eine hübsch verpackte Beleidigung anfügen muss, dann lässt man es besser gleich ganz bleiben.

Mit herzlichen Grüssen an Ihre Jüngste und En Guete! Ihre Kafi.

6 Antworten auf Guten Tag Fr. Freitag. Ich habe 3 Töchter, die jüngste ist 11 Jahre alt und etwas pummelig. Ich weiss nicht [...] mehr ihre schlanken Freundinnen zu uns nach Hause eingeladen. Aber es nützt alles nichts. Was soll ich tun? Silvia, 42.

  1. Simone Meyer sagt:

    Liebe Kafi
    Bitte geben Sie zu dass diese Frage fake war.

    Herzlich

    • Kafi Freitag sagt:

      Liebe Simone
      Ich kann es nicht beurteilen, aber wohler wäre mir schon auch dabei. Da die Fragen anonym gestellt werden können (man kann irgendeine Absendermailadresse eingeben, diese muss nicht zwingend echt sein), weiss ich manchmal selber nicht, ob eine Frage echt ist, oder ob man mich einfach zum Spass mal testen will. Und in diesem Fall kann ich noch nicht einmal mit Sicherheit sagen, was ich schlimmer fände… Herzlich, Ihre Kafi.

    • Lena sagt:

      Das ist sehr optimistisch. Leider gibt es viele Mütter, die ihre Töchter im Bezug auf ihr Aussehen fertig machen. Zwei frühere Schulkolleginnen von mir (beide nicht einmal annähernd übergewichtig) bekamen von ihren Müttern immer zu hören, mit den fetten Beinen/strammen Waden/schwabbeligen Bäuchen können sie dies und das unmöglich tragen. Da kommt mir die Frage gar nicht unrealistisch vor…

  2. Stefanie sagt:

    Viel mehr Sorgen mache ich mir darum, ob jemand, der diese Frage ernst meint nicht auch die Antwort ernst nimmt. ;-) Ich bete also für die Tochter, dass sie von nun an essen darf, was ihr schmeckt, mit Genuss und ohne Angst. Dass sie dazu steht, kein graziles Ballettmäuschen sein zu müssen, dass sie sich mit den Menschen umgibt, die ihr gut tun, dass sie völlig ok ist und Eltern hat, die sie darin etwas mehr unterstützen als bisher.

    Die Frage hätte übrigens von meiner Mutter stammen können. Je mehr mich meine Eltern in meiner pummeligen Teenie-Zeit reglementieren wollten und mir Angst vor dem Essen eingejagt haben, umso dicker wurde ich, denn in meinem Kopf drehte sich alles nur noch um’s Essen, das ich in mich hineinstopfte, aber gar nicht genießen konnte. Tolles kleines Büchlein dazu ist übrigens: “Lob des Essens”, das mich zu einem gesunden Essverhalten und meiner (nicht “perfekten”, aber schönen) Wohlfühlfigur geführt hat.

    Trotzdem weiß ich, dass meine Mutter es im Herzen gut gemeint hat und durch ihre eigene Lebensgeschichte und Erziehung geprägt wurde, die damals besagt hat, dass man als Frau vor allem die Aufgabe hat, schön auszusehen, möglichst dicht am Ideal zu laborieren und möglichst reizvoll zu erscheinen. Damit es dann auch mit dem reichen Mann und dem Haus klappt ….

    Liebe Grüße
    Stefanie

  3. Mona sagt:

    Egal, ob die Frage nun echt ist oder fake: klar, die Mutter handelt nicht richtig, aber ich denke, es ist berechtigt, dass sich die Mutter Sorgen um ihr Kind macht. Wir alle wissen, dass Übergewicht ungesund ist, und gerade in der Schule wird man dafür oft gehänselt. Der Mutter empfehle ich, die Tochter nicht mit “versteckten” Beleidigungen zum abnehmen zu motivieren, sondern mit ihr aktiv etwas gegen das drohende Übergwicht zu unternehmen: zusammen als Familie viel in der Natur unternehmen (laufen, spazieren, Rad fahren etc.) oder jetzt in der kälteren Jahreszeit mal ins Schwimmbad zu gehen. Betr. Ernährung: Pasta, Pizza & co gänzlich vom Speiseplan zu streichen, wird von wenig Erfolg belohnt werden. Lieber gewisse “Regeln” abmachen, z.B. jeden Tag nur 1 Süssigkeit anstatt 5.

  4. Pummel sagt:

    Genau so habe ich es als Kind (mit einer schlanken Mutter und zwei schlanken Schwestern) auch erlebt. Mutter auf Dauerdiät, ich immer in der Kritik. Heute bin ich wirklich dick – als Kind war ich zwar nicht schlank, aber immer noch normalgewichtig. Darum ist diese Frage wahrscheinlich leider kein Fake :-( Die Antwort finde ich übrigens toll!

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