Monatsarchive: Oktober 2014

Liebe Kafi, ich stehe hier gerade vor einem moralischen und seelischen Dilemma. Um es kurz zu machen: ich bin schwanger. Mein ganzes Inneres sträubt sich gegen dieses Kind. Ich habe bereits zwei wunderbare Jungs und liebe diese über alles. Beide sind noch recht klein aber jetzt grade im Alter, dass ich wieder anfangen könnte zu arbeiten. Nein, ich brauche keine Moralapostel die mir sagen, ich hätte eben besser verhüten sollen. Es ist nun mal so passiert und nun bin ich ziemlich zerrissen. Einerseits halte ich wirklich nichts davon abzutreiben. Doch andererseits freue ich mich nicht über das Baby und ich liebe den Vater auch nicht. Ich halte ihn für einen guten Menschen aber überhaupt nicht reif die Verantwortung für ein Kind zu übernehmen. Er schafft es ja nicht mal sein eigenes Leben auf die Reihe zu bekommen. Und ich sehe auch keine Zukunft für uns beide, weil ich wie gesagt keine Gefühle für ihn habe, außer Freundschaftliche. Nun muss ich in weniger Zeit eine wirklich bedeutende Entscheidung treffen. Bekomme ich dieses Kind, oder nicht? Ich habe schon mit meinen beiden anderen in allen Sachen ständig allein gestanden, was am Ende zu einer Scheidung geführt hat. Und ich möchte das nicht wieder durchmachen müssen. Ich habe tierische Angst das nochmal zu müssen. Und Angst, es nicht zu schaffen. Angst dieses Kind nicht lieben zu können, wie es es verdienen würde. Aber auch Angst vor einer Abtreibung. Kosten die ich vielleicht nicht tragen kann. Seelische und moralische Aspekte die mich womöglich belasten werden. Und ich habe nicht mehr viel Zeit um mich zu entscheiden. Wie denken Sie darüber, Kafi? Was würden Sie tun? Liebe Grüße. Selina, 27

22. Oktober 2014
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Liebe Selina

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Ich versteh Zürich immer wieder nicht: Warum das Theater, der Druck, der Neid, der Streit um Kleinigkeiten? Es zählt doch, gesund zu sein, Liebste zu haben, gesunde Kinder zu haben, ein wenig einen Beitrag zu leisten irgendwie und irgendwo. Woher kommt das? Ich will den Leuten nicht unterstellen, dass es ihnen zu gut geht. Ernsthafte Frage. Kafi Freitag, hast du eine Antwort?

19. Oktober 2014
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Liebe Olivia

Wenn Sie den Menschen nicht unterstellen wollen, dass es ihnen zu gut geht, dann mache ich es halt. Ich glaube nämlich wirklich, dass es den allerallerallermeisten in unserem Land sehr gut geht. Wenn nicht eben sogar zu gut.

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Heute hat sich nicht zum ersten Mal folgende Geschichte abgespielt: Ich sass im Zug, wie jeden Tag, da ich nach Bern pendle. Am Bahnhof nahm ich eine Gratiszeitung mit. Im Zug legte ich sie vor mir auf das Tischlein. Um meine SMS zu checken, nahm mein Handy nach vorne. In diesem Moment schnappte sich die Person vis-a-vis (die vor mir im Zug sass und somit mitbekommen hat, das ich die Zeitung brachte) meine(!) Gratiszeitung. Ich wurde innerlich wirklich sehr wütend, traute mich aber nicht zusagen "das isch mini zitig!" oder so etwas... wäre es unanständig gewesen, etwas zu sagen? Was hätte ich sagen sollen? In Zukunft muss ich die Zeitung auf meinem Schoss behalten. Bin ich zu heikel, dass ich von den Leuten erwarte, mich vorher zu fragen? Ist es selbstverständlich, dass ich keine Besitzansprüche auf etwas habe, das offensichtlich gratis war? Es käme niemandem in den Sinn, sich mein Buch zu schnappen… Karin, 23

03. Oktober 2014
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Liebe Karin

Nein, Sie sind sicherlich nicht zu heikel, wenn Sie Ihre Zeitung gerne selber lesen würden, bevor sie sich ein anderer unter den Nagel reisst. Aber etwas anderes sind Sie dafür: Nämlich furchtbar empfindlich und kompliziert.

Sie grämen sich lieber heimlich und innerlich und schreiben mir dann am anderen Tag diese Frage, anstelle dass Sie ein ganz einfaches und simples Sätzli sagen. Wie zum Beispiel: «Au Entschuldigung, aber ich habe diese Zeitung noch gar nicht gelesen. Gerne gebe ich sie Ihnen wieder, wenn ich damit fertig bin.»

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