Monatsarchive: Juli 2014

Liebe Frau Freitag. Bei meiner Arbeit bin ich ein komplett anderer Mensch, als ich es sonst bin... Ein eingeschüchtertes kleines Mäuschen, das null schlagfertig ist und alles mit sich machen lässt. Eigentlich bin ich lustig, sarkastisch und eine totale Labertasche. Wie schaffe ich es, auch auf der Arbeit so zu sein? Sobald ich den Arbeitsplatz betrete, fühle ich regelrecht, dass ich in eine andere Persönlichkeit schlüpfe. Ich möchte aber so sein, wie ich eigentlich bin. So mag ich mich viel lieber. Wie schaffe ich dies? Sibylla, 20

09. Juli 2014
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Liebe Sibylla

Die meisten Menschen sind an ihrem Arbeitsplatz anders, als sie es zu Hause sind. Und wenn sie ihre Eltern besuchen nochmals anders, als wenn sie sich mit einem Date treffen. Das ist vollkommen normal und auch richtig. Das können Sie selber gedanklich überprüfen, indem Sie sich vorstellen, wie es wäre, wenn Sie IMMER so wären, wie wenn Sie auf ein Date gehen, oder aber IMMER so, wie wenn Sie sich gerade von einem unbeliebten Freund trennen.

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Ich sass auf einem Fensterplatz, lauschte der Musik aus meinen sehr dicht schliessenden Kopfhörern und schaute aus dem Zugfenster. So bemerkte ich nicht, wie eine Frau mich wohl gefragt hatte, ob sie den Platz neben mir haben kann, wo nun noch meine Tasche stand. Da ich nicht reagierte, stupste sie mich an, um auf sich aufmerksam zu machen und ihre Frage nochmals zu stellen. Ihre Körpersprache und Mimik drückte eine ziemliche Aggressivität aus. Ich habe ihr den Platz dann überlassen, was ich grundsätzlich im Zug tue, wenn man mich normal bis nett fragt. Letztlich habe ich mich aber geärgert, dass ich ihr nicht gesagt habe, dass ich dieses Anfassen und aggressive Verhalten als unangenehm empfunden habe. Ihre wütende Anspruchshaltung so aus dem Nichts hat mich schon sehr genervt. Wie hätte ich reagieren können, oder finden Sie es kleinlich, das überhaupt zu beachten? Der Akt des Anstupsens war ja nicht speziell übergriffig aber ihre sonstige Attitüde dann schon. Mein "Fehler" war schliesslich nur gewesen, sie nicht bemerkt zu haben. Wie hätten Sie sich verhalten? Sarah, 50

03. Juli 2014
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Liebe Sarah

Lange habe ich mir überlegt, was ich Ihnen antworten soll. Naheliegend wäre gewesen, Sie zu trösten und zu verteidigen. Oder aber Sie zu schelten und zu sagen, dass eine Tasche nicht auf einen Sitzplatz gehört. Aber ich habe mich für die Wahrheit entschieden, auch wenn ich mich dadurch vielleicht selber in Schwierigkeiten bringen werde. Manchmal muss eine Frau Freitag tun, was eine Frau Freitag tun muss.

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